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Mit zwei Monaten beginnt für die Waschbärenbabys die schönste Zeit


Sie wollen alles anschauen und untersuchen. Machmal ist es für mich sehr anstrengend, die Kleinen unter Kontrolle zu halten. Ab mitte Juli schlafen all' meine kleinen Findlinge in ihrem Waschbärenhaus.

In diesem Haus habe ich in jeder Ecke eine mit Zeitungen ausgelegte Katzen-Toilette platziert. Viele Menschenbehaupten, Waschbären wären unsauber. Aber ganz das Gegenteil ist der Fall. Der Waschbär ist sehr reinlich. Deshalb müssen die Katzen-Toiletten auch morgens und abends geleert und gereinigt werden. Auch die Bettchen müssen immer trocken und sauber sein, so läuft meine Waschmaschine mit Handtüchern weiterhin auf Hochtouren.

Nach der morgendlichen Fütterung dürfen alle draussen spielen. Solange mein Mann mit der Reinigung des ganzen Waschbärenhauses beschäftigt ist, spiele ich mit den kleinen Bewohnern an unserem kleinen Teich, einem ihrer Lieblingsplätze. Oft tut mein Mann mir leid, aber Sauberkeit ist eben sehr wichtig. Ab und zu tauschen wir unsere Aufgaben, leider akzeptieren dass aber unsere Findelkinder nicht. In diesem Alter hängen sie sehr an mir und wollen auch niemanden anderen als Mama! So bleibt eben die Reinigung an meinem Mann hängen! Für unsere Findelkinder bringen wir beide gern Opfer, denn sie sollen ja glücklich sein und kräftig werden!

Sie wachen sehr früh auf, spielen und toben, wie es sich für Waschbärenbabys eben gehört. Und noch bevor es mit der Reinigung losgeht, haben sie natürlich Hunger. Jeden Morgen koche ich ab 7 Uhr Hühnchen, das die Bärchen täglich morgens zusammen mit Obst, Gemüse und etwas Babybrei bekommen. Man kann ihnen beim Wachsen nun regelrecht zuschauen! Zwei niedrige grosse schwere Gefässe mit Wasser dürfen nie fehlen. Die Kleinen fangen sehr früh an, ihre Mahlzeiten im Wasser zu waschen oder aufzuweichen.

Im Anschluss an das ausgelassene Spielen am Teich schlafen sie meistens bis zum Nachmittag gegen 3 Uhr. Und dann werden meine Nerven sehr auf die Probe gestellt. Ein langer Spaziergang im Wald ist angesagt, jedoch kann ich immer nur bis zu sieben Babys mitnehmen. Oft muss ich an einem Tag mit drei Gruppen durch den Wald ziehen, weil es einfach so viele sind! Am Anfang bleiben sie immer sehr nah bei mir. Wenn sie aber die Gegend besser kennen, gibt es für sie kein Halten mehr. Jeder springt und läuft in eine andere Richtung. Anfangs hatte ich immer Angst, einen zu verlieren. Heute setze ich mich unter einen Baum und beobachte meine Rabauken. Jeder Baum wird nach Insekten untersucht, es wird nach Wurzeln gegraben, und einfach alles ist aufregend. Täglich werden sie selbstbewusster und sicherer.

Ein wichtiger Begleiter meiner Ausflüge ist mein Hündin Honney. Ohne sie wäre ich oft verloren. Sie passt immer auf, dass die Waschbärenbabys nicht zu weit weglaufen und (merkwürdigerweise) die Waschbären gehorchen auch.



Diese täglichen Lehrstunden sind sehr wichtig für die Kleinen, damit sie lernen, sich in der Natur frei zu bewegen und nebenbei halte ich mich fit. Wenn es nach Hause geht, pfeife ich. Das kennen sie irgendwann alle und vergessen es auch nicht mehr! Es kommen sogar einige von denen, die längst allein leben, um mich zu begrüssen. Falls ich Besucher bei mir habe, ist es eher selten, dass sie sich zeigen. Sie vertrauen nur mir und meinem Mann und natürlich unseren Hunden!

Ab 8 Uhr abends wird noch einmal gefüttert. Es gibt wieder Hühnchen, Brei, Obst und Gemüse. Für die Nacht stelle ich immer Hundetrockenfutter (für Welpen) bereit, an das sie sich so schnell wie möglich gewöhnen sollten. Alle fressen nun selbständig, bis auf sehr wenige Ausnahmen, die immer noch nach der Flasche betteln, aber immer nur dann, wenn sie müde werden.

Die Nacht müssen die Kleinen noch in ihrem Haus verbringen und dürfen noch nicht im Wald schlafen, da sie sich noch nicht verteidigen können! Es gibt viele wilde Tiere, die sich sehr schnell so ein Baby holen würden. Am gefährlichsten sind: Eulen, Marder und Fischer.

Wenn der Tag gekommen ist, an dem ich auch nachts die Tür des Waschbärenhauses offen stehen lasse, suchen sich die kleinen Waschbären selbst aus, ob sie wieder in ihr Bettchen gehen, auf der Terrasse schlafen oder gar im Wald unterwegs sind. Aber: Nie geht einer allein, immer bleiben sie in Gruppen zusammen, und das ist gut so.

Sehr hilfreich sind dann auch meine Waschbärenmütter vom letztem Jahr, die mich mit ihren Babys täglich besuchen und um Futter betteln. Die Wilden, so nenne ich sie, spielen mit meinen Babys und streifen durch die Wälder. So kann ich beruhigt sein, dass immer eine erwachsene Waschbärin dabei ist, um aufzupassen. So eine Waschbärin würde bis zum Tod um die Jungen kämpfen. Meistens bleiben aber meine Waschbärenkinder in meiner Nähe! Alle schlafen unter unserer Terrasse oder in ihrem Waschbärenhaus.

Jedes Jahr kann ich beobachten, dass auch bei den Waschbärenmüttern die Probleme beginnen, wenn ihre Jungen ca. acht Wochen alt sind. Viele leben in ihren Baumhöhlen in unserem Wald und akzeptieren mich, weil sie nicht vergessen haben, dass ich sie aufzog. Sie stellen mir immer ihre Babys vor, die auch keine Scheu vor mir haben. So kann ich eine Menge von ihnen lernen und bin oft sehr froh, dass ich es nicht allein bin, die genervt und oft sehr müde ist. Sie sind es genauso.

Oft ist die Mutter bis auf die Knochen abgemagert. Der Winter war lang. Außerdem strengt das Säugen der Babys unglaublich an. Indem ich ihnen Futter vor ihren Baum lege, versuche ich, ihnen zu helfen. Sie wissen genau, wo einst ihr Zuhause war und viele besuchen mich abends. Die Fütterung der Waschbären vom letztem Jahr stelle ich aber Ende April ein. Das muss leider sein, denn sonst würden ja alle bleiben! Der Abschied ist aber nur für mich traurig. Die Waschbären lieben den Wald und ihre Freiheit und so ist es ja auch richtig! Doch jedes Jahr im Februar kommen die meisten zurück, denn sie wissen bei uns ist immer Futter und nach so einem langen Winter sind viele sehr ausgehungert!

Ich möchte nochmal darauf aufmerksam machen, dass der Waschbär auf keinen Fall ein Allesfresser ist. Die meisten Menschen bezeichnen ihn so weil er im Müll nach fressbaren sucht. Das heisst aber nicht, dass er Abfall frisst! Er weiss sehr wohl, was er will, er ist sehr wählerisch was Futter betrifft.

Aber es zeugt schon von Intelligenz, wenn er Mülltonnen durchsucht. Denn wo es so gut riecht, muss es doch auch gutes Futter geben, oder? Man geht schliesslich nicht auf die Jagd, wenn man hunger hat! Natürlich nicht, man geht zum Kühlschrank, oder?! So öffnet der Waschbär seinen Kühlschrank, die Abfalltonne. Er wäre schön blöd wenn er auf Mäusejagd gehen würde wenn die Abfalltonne voll mit Leckereien ist! Wären wir nicht so verschwänderisch mit unserem Essen dann wären auch die Tonnen leer und der Waschbär hätte kein Intresse im Abfall zu wühlen. Man sollte diesen Abfall gut verpackt (luftdicht!) entsorgen, dann gibt es auch keine “Probleme” mit Waschbären.

Wenn es warm genug ist, verbringen wir viele Abende am Lagerfeuer und schlafen im Tipi. Aber niemals allein! Unsere Bären lieben es, bei uns zu sein. Für uns bedeutet das allerdings immer, dass der Schlaf weniger erholsamer ist. Denn bis die Kleinen müde werden, ist für uns die Nacht schon wieder vorbei. Trotzdem geniessen wir die lauen Sommernächte mit unseren Tieren und möchten keinen Tag und keine Nacht missen.

Wenn der Indiansommer vor der Tür steht, beginnen die Waschbären, sich Winterspeck anzufressen. Sie lieben alles, was süss ist. Jeden Abend füttere ich Hundetrockenfutter mit Obst und Frootloops. Das sind ihre Lieblingsspeisen.

Ende Oktober werden alle sehr träge und müde. Wenn es schneit, verkriechen sie sich unter der Terrasse. Dort bleiben sie den ganzen Winter über bis Anfang März.

Nur noch selten kommen sie dann an mein Fenster, um mich zu begrüssen. Ich muss gestehen, dass sie mir in dieser Zeit sehr fehlen! Doch ich weiss, dass alle glücklich sind und bestimmt einen guten und langen Schlaf haben werden!

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