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Meistens ist so ein kleines Waschbärenbaby vier Tage bis drei Monate alt, wenn es in unsere Familie kommt. Die ersten 12 Tage ist es blind. Das ist für mich am einfachsten, weil das Baby außer mir noch niemanden gesehen hat und es denkt von Anfang an, ich sei die Mutter. In diesem Alter haben sie noch nicht erleben müssen, wie hart das Leben in der Natur sein kann!
Oft sehe ich einen grossen Unterschied zu den Älteren die zu uns kommen... Die haben es oft sehr schwer, denn sie waren sicher dabei, als ihre Mutter gequält oder getötet wurde. Das, was sie erlebt haben, macht sie ängstlich und aggressiv.
Mit viel Liebe und Geduld lernen die Kleinen sehr schnell wieder Vertrauen zu gewinnen!
Nie trenne ich eine Familie. Jede bekommt ihr eigenes Schlafkörbchen. Wenn es aber trotzdem mal vorkommt, dass von einer ganzen Familie nur ein Baby überlebt hat, kommt es mit anderen in ein Körbchen, damit es sich nicht so einsam fühlt. Waschbären brauchen unbedingt eine Waschbärenfamilie. Einer allein würde sich zu sehr an den Menschen gewöhnen und das ist nicht gut für seine weitere Entwicklung.

Wildtiere haben meistens Flöhe. Daher ist es ratsam, etwas Trockenhefe in den Schlafplatz zu streuen. Ein oder zwei Päckchen Trockenhefe genügen, um den Flöhen den Garaus zu machen. - Auch für Hunde ist dies eine erfolgreiche Methode.
Ich bin der Meinung, dass ein Picknickkorb mit Deckel der beste Schlafplatz für kleine Waschbärenbabys ist. Man kann ihn sehr gut verschliessen und man kann sicher sein, dass so ein kleiner Klettermaxe nicht ausbricht. So ein Ausflug ist fatal, denn das Bärchen kann nicht zurückfinden. Wenn man den Kleinen dann nicht schnell genug findet, wäre eine Unterkühlung die Folge.
Eine Wärmflasche, die alle 2 Stunden neu mit warmem Wasser gefüllt werden muss, ist mit die wichtigste Angelegenheit. Auch das Auswechseln der Handtücher, weil der Schlafplatz immer trocken und sauber sein muss (wie anfangs schon erwähnt).
In dieser Zeit läuft meine Waschmaschine Tag und Nacht. Wie gut, dass selten der Strom ausfällt! Oft kam mir schon der Gedanke: “Wie gut, wenn man eine liebe Oma hat, die im Haushalt hilft.” Leider hat sich bei mir noch keine gemeldet, denn wer möchte denn schon den ganzen Tag stinkende Handtücher sortieren!
(Es wird Zeit, dass die Pampers für Waschbärenbabys entworfen werden; ich würde eine Menge Zeit sparen. Sie wären aber sicherlich viel zu teuer!)
Jede Babygruppe bekommt bei mir eine eigene Flasche. Dementsprechend sieht meine Küche auch aus. Aber was soll's: ich liebe meine Tiere und jeder soll sich bei mir geborgen fühlen. Es ist erstaunlich, wie intelligent diese Kleinen in diesem Alter sind. Falls ich einmal eine Flasche verwechsle, wird die Nahrung kompromisslos verweigert. Auch die Grösse des Saugers oder die Form darf ich niemals verwechseln. Ab und zu kommt es vor, dass ich mit meinen kleinen Findelkindern einkaufen fahren muss (mein Mann hat ja nicht immer Zeit!). In einer solchen Situation muss ich wirklich alles dabei haben. Niemals die Flaschen verwechseln, das wäre eine Katastrophe, die Babys würden sich fürchterlich aufregen. Bei langen Autofahrten können schreiende Waschbärenkinder einen ganz schön aus der Fassung bringen. Ich bin froh, dass es mir noch nicht oft passiert ist.

Alle zwei Stunden ist Fütterung mit Hundewelpen-Ersatzmilch, das Pulver mische ich mit je zur Hälfte Wasser und Ziegenmilch. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht (leider ist sie sehr teuer). Zusätzlich bekommt jedes meiner Babys vor jeder Mahlzeit eine Fingerspitze Vitamin-Paste von “NUTRICAL”. Diese Paste wird Hunden und Katzen oft nach schweren Operationen verabreicht. Sie enthält wichtige Vitamine und hochprozentige Proteine. So muss ich mir keine Sorgen machen, wenn ein Kleiner nicht viel fressen will oder mal die Flasche verweigert. Narürlich gibt es verschiedene Produkte die die kleinen Waschbären gut vertragen. In den zehn Jahren habe ich sehr viel ausprobiert und bin von der Hundewelpen-Ersatzmilch überzeugt, es ist aber trotzdem wichtig Ziegenmilch beizufügen! Leider ist die Hundewelpen-Ersatzmilch nicht so fettreich und den kleinen könnte das Fell ausgehen. Bitte beachten Sie immer das Ablaufdatum!
Manchmal treten Bauchschmerzen oder Durchfall auf. Das beste Mittel dagegen: Nach jeder Mahlzeit das Bäuchlein massieren und natürlich das “Bäuerchen” nicht vergessen. Meist hilft es sofort, wenn aber nicht, wende ich eben die Methode an, die schon bei meinen beiden Kindern geholfen hat: Herumtragen, Singen und Schaukeln. Das hilft meistens immer. Man muss natürlich grosse Geduld und Liebe aufbringen und sich die Zeit nehmen! Bei sehr starkem Durfall rate ich jedem Laien einen Arzt aufzusuchen.
Auch das Zahnen ist oft sehr schlimm für die Kleinen. Dann hilft wieder nur Tragen, Singen und Schaukeln, bis sie einschlafen. Die meisten werden nun denken, dass kann doch nicht wahr sein, einen Waschbären wie ein Menschenkind zu behandeln? Doch es ist wahr, ich liebe meine Waschbärenbabys wie meine eigenen Kinder und ich finde dass sie in diesem Alter schon zu viel Negatives erlebt haben!
In dieser Zeit fehlt mir oft mein Schlaf, doch meine Sorgenkinder bedeuten mir sehr viel. Tiere fühlen genauso wie Menschen, sie brauchen Liebe!
Auch wenn ich so viele Tiere aufziehe, versuche ich, für alle da zu sein. Meine Liebe zu jedem Einzelnen gibt mir die Kraft und die Liebe. Was kann es schöneres geben als Mutterliebe!
Der Spieltrieb der Waschbärenbabys beginnt meist schon nach vier Wochen. Extra dafür habe ich mir einen übergrossen Korb zugelegt. Sie spielen am liebsten mit kleinen flauschigen Mäusen und mit allem, was klingelt oder raschelt. Auch Katzen-kratzbäume lieben die Kleinen, hier werden erste Kletterversuche trainiert! Waschbärenbabys beim Spielen zuzusehen ist einfach das Schönste. Jeder Spielfilm ist dagegen langweilig!
Ich weiss immer sehr genau, wann die kleinen Rabauken müde werden. Denn es ist ähnlich wie bei Kindern. Sie jammern, werden unzufrieden und streitsüchtig. Es kommt auch schon mal vor, dass einer vor lauter Übermut einfach umfällt und sofort tief schläft. Am liebsten schlafen sie aber auf meiner Brust, ein Gähnen und ein Strecken, Küsse über Küsse, eine Waschbärenliebe, die sich niemand vorstellen kann!
Wenn die Babys sechs Wochen alt sind, beginne ich mit dem Zufüttern von Trockenfutter für Hundewelpen. Auch Früchte und Babybrei, mit ein wenig Ziegenmilch angerührt, fressen sie gern, wie auch gekochtes Hühnchen und Fisch. Natürlich gebe ich weiterhin die Flasche, bis sie sie nicht mehr wollen. Aus Erfahrung weiss ich, dass zu früh entwöhnte Bärchen immer etwas suchen, an dem sie saugen können. Sie versuchten dann, an meiner Haut oder an den Geschlechtsteilen ihrer Geschwister zu saugen. Auch Schnuller werden gerne angenommen, ich muss ständig lachen wenn meine kleinen Bärchen mit einem Schnuller im Mund in der Küche rumlaufen. So wie bei Menschenkindern ist es auch bei Tierkindern: Es sind nicht alle gleich! Die meisten Waschbärchen fressen nach acht Wochen allein, aber die Flasche ist immer noch sehr wichtig für alle Babys.

Mit dem Ende von acht Wochen...
... beginnt die Zeit der Umstellung für meine Babys. Die Körbchen sind zu eng und jetzt wollen sie alles sehen und untersuchen. Seit einiger Zeit bauen wir ein wunderschönes Waschbärenhaus, in dem unsere Findlinge ab dem zweiten Monat leben dürfen. Mit vielen Schlafgelegenheiten, Bäumen zum Klettern, einer Schaukel und vielem mehr. Hier verbringen sie etwa weitere acht Wochen, da sie jetzt noch viel zu klein sind, als dass sie unbeaufsichtigt in den Wald laufen könnten. Für Wölfe, Füchse, Kojoten und viele andere Wildtiere wären sie ein leichtes Opfer.
Jeden Tag streife ich aber mit einer Gruppe von acht Bären im Wald umher. Es ist nun die Zeit gekommen, dass die Waschbären lernen, woher sie kommen und wohin sie gehören. Sie lernen sehr schnell und lieben ihre Freiheit. Doch sie werden noch sehr schnell müde und fühlen sich in ihrem sicheren Zuhause sehr wohl, in dem sie auch noch gern schlafen.
Mit acht Wochen ist auch eine Wurmkur fällig. Es gibt eine Spulwurmart, die dem Menschen gefährlich werden kann. Deshalb sollte man die Kleinen in den ersten sechs Monaten dreimal entwurmen. Ein Babywaschbär kommt niemals mit Tollwut auf die Welt, da die Tollwut nur durch einen Biss eines Tollwütigem Tieres übertragen werden kann.
Wenn Sie glauben, dass es nun leichter mit den Waschbärenbabys wird, haben Sie sich aber gewaltig geirrt! Nun beginnt die schönste aber auch die Anstrengenste Zeit für Sie. Überlegen Sie gut, ob Sie auch wirklich die Liebe und die Zeit für Ihre Findelkinder aufbringen können?
Treffen Sie frühzeitig eine richtige Entscheidung! Nicht nur für Sie ist es sehr wichtig - auch für die Kleinen heranwachsenen Bären eine Lebenswichtige Entscheidung!
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