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Der Waschbär ist eines der lustigsten Tiere!

Für mich ist diese Art der Beschreibung der Waschbären nicht so einfach. Wahrscheinlich deshalb, weil ich schon so viele Jahre mit ihnen sehr nah zusammenlebe und ich sie nicht mehr nur als wilde Tiere ansehe, sondern als meine besten Freunde. Ein Waschbär könnte wohl in jedem lustigen Film die Hauptrolle spielen, denn er ist sehr intelligent und gelehrig. Schon die Algonkin-Indianer gaben ihm den Namen ESSIPAN, was übersetzt so viel heisst, wie "der Lustige" oder "der Joker".

Waschbären sind ausserordentlich neugierig. Mit ihren kleinen Händchen untersuchen sie alles. Kein Loch und kein Spalt werden ausgelassen. Wasser ist für sie wie ein Magnet und wenn sie den Grund nach Krebsen, Muscheln oder Wurzeln absuchen, sieht es oft so aus, als würden sie sich die Hände waschen. Auf keinen Fall sind diese Tiere Allesfresser.



Viele Leute sind dieser Meinung, weil die Waschbären, getrieben durch ihre Neugier, sogar den Müll durchsuchen. An dieser Stelle möchte ich es noch einmal betonen: In Bezug auf seine Nahrung ist der Waschbär sehr wählerisch. Im Frühling z.B. bevorzugt er tierische Nahrung: Larven, Würmer und Insekten. Wenn sein Fell stumpf und verfilzt ist, benötigt er für das Wachstum des neuen, wunderschön seidigen Fells vor allem Proteine. Bis dahin sieht er manchmal aus wie ein Bettler in einem alten zerrissenen Mantel.

Im Sommer besteht seine Nahrung hauptsächlich aus pflanzlicher Kost. Wir haben an allen Hausecken Futterstellen und füttern Hundetrockenfutter Obst und Gemüse. Im September fressen Waschbären besonders viel. Süsses mögen sie am liebsten. Ab und zu bekommen sie von uns Müsli, Joghurt und Fruitloops.

Wenn es kälter wird und der Winter vor der Tür steht, merkt man, dass sie müde und träge werden. Ein Waschbär kann lange fasten und kommt mit sehr wenig Futter über den Winter. Natürlich werden meine Findelkinder den ganzen Winter über von uns mit Futter versorgt. Sie sind von Menschenhand aufgezogen und sind die Fütterungen gewohnt. Ihr Bau, den mein Mann angelegt hat, befindet sich unter unserer Terrasse. Sobald der erste Schnee fällt schlafen sie! Im darauf folgenden Jahr wildern sie sich selbst aus und können ohne unsere Hilfe leben.



Für die Erziehung von kleinen Waschbären braucht man eine Engelsgeduld. Waschbärenbabys wollen immer alles durchsetzen, doch durch meine Sturheit komme ich mit ihnen gut zurecht. Waschbären freuen sich wie Kleinkinder, wenn man mit ihnen spielt. Bei oft 20 heranwachsenden Rabauken ist Erziehung sehr wichtig. Es kann schon mal passieren, dass mir ein Tier ins Gesicht springt. Manchmal wirken sie im übermütigen Spiel wie tollwütig und vergessen, dass ich kein Fell habe.

Dann tue ich es einer Waschbärenmutter gleich: ich packe das Kleine am Genick, schüttele es und bekräftige mein "Nein". Spätestens nach dem fünften Mal hat es bisher jedes Waschbärenjunge begriffen.

Über die Kletter-Kunststücke kann man nur staunen! Schon im Alter von zwei Monaten versuchen die Waschbärenbabys jeden Baum zu erklimmen. Mir bleibt fast das Herz stehen, wenn ich meinen Findelkindern dabei zusehe.

Kleine Waschbären leben bis in den Frühling bei ihrer Mutter und sie teilen sich den Bau mit anderen Waschbärinnen. Die Fähen leben über Jahre hinweg in Gruppen zusammen. Die Männchen werden nach der Paarung vertrieben. Sie sind oft aggressiv gegenüber dem Nachwuchs, aber im allgemeinen anhänglicher als weibliche Tiere.

Wenn im Februar die Paarungszeit beginnt, pfeift es im ganzen Wald. Die zweijährigen Männchen kommen von sehr weit her, um sich eine Fähe zu suchen. Es ist interessant, ihnen nachts zuzuhören. Wenn ein Männchen einer Gruppe von Fähen nachläuft, erinnert es mich an eine Gänseschar. Die Laute der Männchen klingen dann ähnlich wie das Knurren eines Marders.

Nach der Paarung sucht sich die Fähe einen hohen, hohlen Baum, der die nötige Sicherheit gibt, damit sie dort nach der Tragezeit von ca. zwei Monaten zwischen zwei und vier (selten auch sechs) Junge zur Welt zu bringen kann. Die Waschbärin bleibt nach der Geburt bei ihren Kleinen. Erst zwei Monaten später werden erste Ausflüge zusammen mit den Babys unternommen.

Ich beobachte die Waschbärenfamilien und darf sie auch begleiten. Das sind für mich wertvolle Lehrstunden. So bekomme ich die besten Rezepte für die Aufzucht der Babys, die man in keinem Buch nachlesen kann. Das fiepen der Waschbärenbabys ist so laut, dass man es aus einer Entfernung von ca. hundert Metern noch hören kann.



Waschbären haben ein perfektes Sozialverhalten: Alle weiblichen Tiere, auch die, die keine Babys haben, achten auf den Nachwuchs, sobald die Kleinen ihrer Mutter folgen können.

Es kommt auch vor, dass ein Männchen, das von mir aufgezogen wurde, irgendwann zurückkommt. Ich bin zwar noch immer sein Freund, aber die Weibchen sehen das gar nicht gern und vertreiben ihn.

Wenn die Kleinen, die ich aufgezogen habe, das erste Mal Kontakt mit “fremden” älteren Waschbären haben, ist es immer wieder sehenswert und sehr beeindruckend. Sind sie aufgeregt und ängstlich, ähnelt der Schwanz der einer Katze und sie wedeln sogar damit. In dieser Situation ist auch ein Piepston zu hören, den ich nicht so recht beschreiben kann. Sie bereiten sich auf einen Angriff vor, indem sie sich versammeln (natürlich hinter mir). In diesem Moment werde ich als Mutter annimiert den Fremden zu vertreiben. Sie warten auf ein Zeichen um mit mir den fremden Waschbären zu attakieren.

Also laufe ich einen Meter auf den Eindringling zu, meine Kleinen Kämpfer pfeifen und fipsen! Wieder einmal geschafft, der Sieg ist unser. Ich habe zu ihnen gehalten und sie beschützt, so wie sie es erwartet hatten. Sie sehen mich sicherlich als ihre “Mutter” an und deshalb muss ich ihnen auch beweisen, dass sie sich in jeder Situation auf mich verlassen und mir vertrauen können.

Manchmal muss ich auch mit dem Besen nachhelfen, wenn ein Männchen hartnäckig ist und die Babys laufen mir eifrig mit wedelndem Schwanz und piepsendem Geschrei hinterher. Es sieht bestimmt sehr lustig aus, wenn ein Mensch mit einer Gruppe von Waschbärenbabys im Rücken einen erwachsenen Waschbären vertreibt. Gut, dass wir hier im Wald allein leben und keiner mich sehen kann!

Wir sind eben eine Familie und wir halten zusammen.

Im Alter von drei Monaten werden Waschbären mehr und mehr nachtaktiv. So hat es die Natur vorgesehen. Sie streunen dann schon sehr lange im Wald umher, aber immer sind ältere Waschbären-Fähen in ihrer Nähe. Beim Vernehmen eines Geräusches verhalten sie sich absolut still. Mein Rufen und Pfeifen kennen sie und ganz plötzlich sind sie neben mir.

Waschbären haben ein sehr gutes Gedächtnis. Die, die ich aufzog, begrüssen mich und meine Hunde, wenn wir ihnen im Wald begegnen. Natürlich kann ich sie nicht mehr auf den Arm nehmen, aber viele lecken meine Hände und zupfen in meinen Haaren.



Auch meine Hunde können unter den Waschbären zwischen meinen früheren Findlingen und fremden Tieren unterscheiden.

Waschbären würden sich nicht so sehr vermehren, wenn der Mensch sie nicht so bekämpfen würde. Die Natur hat es so eingerichtet, dass es in Zeiten mit weniger Tieren umso mehr Nachwuchs gibt, um die Population zu erhalten. Je mehr der Mensch die Tiere also bejagt, desto mehr Nachwuch stellt sich ein! Die Natur sorgt von ganz allein für Ausgewogenheit!

Für mich ist der Waschbär ein Freund und kein Störenfried. Er könnte auch Dein Freund werden! Wie schön ist es doch, einen solch lustigen kleinen Genossen im Garten beobachten zu können! Gib ihm eine Chance, wie Du sie auch Deinen Mitmenschen gibst!

Die Fortpflanzung:

Im Februar ist die Hauptpaarungszeit.



Ein Wurf pro Jahr zwischen April und August nach einer Tragezeit von ca. 63 bis 65 Tagen (54-70), Hauptwurfzeit ist im April. Aufgrund von Zweitzyklen sind Spätwürfe bis August möglich.

Anzahl der Zitzen: 6, Anzahl der Jungtiere: 2-4 ...selten 6, Geburtsgewicht: 65-75g

Neugeborene sind schon behaart, aber zahnlos. Das Milchgebiss erscheint mit den Schneide- und Eckzähnen in der 4. Woche (das Gewicht beträgt dann ca. 300 g). Das Milchgebiss in der 9. Woche vollständig ausgebildet.

Der letzte Dauerbackenzahn erscheint gegen Ende des 3. bzw. Anfang des 4. Monats. Säugedauer bis zur 16. Lebenswoche. Die Entwöhnung beginnt ab dem 3. Monat (Körpergewicht: meist über 1.500 g).

Die Aufzucht erfolgt allein durch das Muttertier, das Männchen wird vertrieben.

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