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An einem trüben Novemberabend sitze ich am Fenster und beobachte meine Waschbärenkinder auf meiner Terasse. Eigentlich könnte ich glücklich sein, dass ich soviele Waisenbabys diese Saison durchgebracht habe, doch da meldet sich schon wieder eine Träne an! Auch dieser Herzschmerz den ich die letzten Jahre ständig fühle.
Die Bilder der letzten 6 Monate laufen plötzlich ab wie ein Film, unglaubliche Trauer durchströmt meinen ganzen Körper. Eines meiner vielen Erlebnisse ist nun ganz nah, Harry...
10. Juni 2005

Harry, mein kleiner 2 Wochen alter Waschbär liegt plötzlich wieder todkrank in meinen Händen. Überall im Haus brennen Kerzen leise Engelsmusik spielt im Hintergrund. Niemand weiss woher Harry kam, keiner weiss warum er seine Mutter verloren hat. Tatsache ist , dass er sehr krank ist und sehr leiden muss.
Es ist sehr schwer eine Diagnose zu stellen wenn man nicht weiss welches Schicksal so ein kleiner Waschbär hinter sich hat. All mein Wissen ist nun gefragt! Leider gibt es hier keine Ärzte die mir helfen. Ich versorge Harry mit Flüssigkeit die ich ihm unter die Haut spritze damit sein kleiner 20 Gramm Körper nicht austrocknet. Immer die gleiche Frage welche Medikamente kann ich ihm verabreichen? Nun ist harry medizinisch versorgt und ein langer Lebenskampf beginnt.
Harry liegt regungslos in meinen Händen, sein Atem ist sehr langsam. Ab und zu verkrampft sich sein kleiner Körper und jedesmal denke ich es ist sein letzter Atemszug. In diesen Momenten spüre ich wie hilflos und allein ich auf dieser Welt bin. Ich bete zu Gott und bitte meine Engel diesen kleinen Bären doch zu helfen!
“Harry, Du bist doch noch so klein bitte gib nicht auf, bitte!” Ich erzähle ihm wie schön der Wald ist und wie schön es sein wird wenn wir durch die Wälder streifen. Meine Tränen tropfen auf sein kleines Köpfchen, kurz öffnet er seine Knopfaugen und sieht mich an. Harry weint, das erste mal in meinem Leben sehe ich eine Träne die aus seinen tiefschwarzen Augen rollt. In diesen Moment bin ich Harrys Mama und er mein geliebtes Kind. Ganz sanft drücke ich ihn an mein Gesicht und spüre wie sehr dieses kleine Wesen mich liebt und braucht.
Es ist keine Liebe zwischen Mensch und Tier, nein - es ist wahre Liebe!

Harrys Händchen halten meinen Finger ganz fest und ich spüre seinen inneren Kampf. So sitzen wir Hand in Hand weinend und hoffend in meinem Stuhl. Nach 5 Stunden wie ein Wunder hebt Harry sein kleines Köpfchen und schleppt sich hoch bis zu meinen Haaransatz.
“Oh mein Gott, Harry!” Harry sieht mich an und schnurrt so laut wie eine Katze. Mein Herz schlägt Purzelbäume, ich weiss vor Freude nicht ein noch aus. Mit Harry im Arm laufe ich nach oben ins Schlafzimmer zu meinen Mann. “Harry lebt, Harry lebt!” Mein Mann konnte es nicht glauben, für ihn war Harry ein nicht zu rettendes Baby.
Harry schlief die ganze Nacht auf meiner Brust, ich konnte fühlen wie erleichtert und glücklich er war.
Es dauerte noch viele Tage bis Harry wieder völlig gesund war, doch er zeigte es mir täglich wie dankbar er mir war. Seine grosse Liebe zu mir blieb bis heute! Harry ist nun ein grosser starker Bär der sich bald von mir verabschieden wird, doch unsere Liebe wird ewig währen.

Dieses Erlebniss gab mir soviel Hoffnung nie aufzugeben, denn Tiere fühlen wie Du und ich...
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