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Meine ersten Erfahrungen mit einem Waschbären!
Unseren ersten Waschbären fanden wir bei Nachbarn, ca. 20 km von uns entfernt. In einem Vogelkäfig eingesperrt, vegetierte er nur noch vor sich hin und war dem Tode nahe. Ich hatte zwar keine Ahnung von Waschbären, aber ich konnte dieses Leid nicht mit ansehen. So nahmen wir ihn mit! Der erste Weg war zum Tierarzt. Ich wollte ihn untersuchen lassen, um sicher zu gehen, dass er gesund war. Leider kam es dabei zu einem Vorfall, der so noch mehrere Male passieren sollte. Die Tierärztin packte den kleinen, etwa drei Wochen alten Waschbären mit Handschuhen am Kragen und zerrte ihn aus dem Käfig. Der Kleine schrie aus Leibeskräften, pinkelte und entleerte zum Entsetzen der Ärztin seinen Darm überall im Untersuchungszimmer. Es war nicht möglich, irgendeine Untersuchung vorzunehmen. Einziger Kommentar der Ärztin: “Schmeiss ihn in den Busch. Das ist der aggressivste Waschbär, den ich je gesehen habe!”
“Brigitte, was jetzt? Brigitte, was machst du?”, ging es mir durch den Kopf.

Meine Muttergefühle liessen mich richtig entscheiden: Ich nahm den Käfig mit meinem neuen Baby und fuhr nach Hause. Es musste essen, es musste trinken! Doch wie sollte ich es nur anstellen? Sobald ich den Käfig öffnete, fauchte mich ein kleiner Teufel an. Was hatte er wohl schon alles durchmachen müssen? So viel Hass und Angst in diesem armen Tier!
“Vielleicht mag er Babybrei”, dachte ich mir. Also kochte ich Brei mit etwas Früchten und stellte ihn in den Käfig. Der Kleine sah den Brei nicht mal an. Ich fühlte, dass er sterben wollte. Sicherlich konnte er den Tod seiner Geschwister in diesem Käfig nicht vergessen!
Ich hatte eine Idee: Vielleicht half ein Kochlöffel, der mir als verlängerter Arm dienen sollte. Ich versuchte, es mit dem Kochlöffel zu streicheln, doch das Waschbärenkind biss in das Holz und wurde noch wütender. Lange redete ich ihm zu und versuchte es wieder und wieder, seinen Rücken zu streicheln. Vermutlich eine Stunde lang. Plözlich merkte ich, dass der kleine Kerl ruhig wurde und er lies es zu, gestreichelt zu werden. Während ich seinen Rücken streichelte, vernahm ich ein seltsames Schnurren. Damals wusste ich noch nicht, was es bedeutet. Heute weiss ich, dass ein Waschbärenbaby, das man am Rücken fest streichelt, dadurch zum Fressen animiert wird. Diese Erkenntnis sollte mir in den weiteren Jahren noch oft helfen.

Racky fing tatsächlich an, seinen Brei zu fressen. Für mich war es wie ein Wunder und ich war überglücklich. Drei Tage und Nächte sass ich vor dem Käfig. Ich redete mit ihm, streichelte ihn und manchmal schlief ich ein. Mein Mann konnte mich nicht dazu bewegen, ins Bett zu gehen. Ich fühlte wie eine Mutter, die ihr Baby nicht allein lassen will. Am Morgen des dritten Tages berührten mich seine kleinen Hände so, als wollten sie mich streicheln. Es folgte ein leises Weinen. Es tat mir so weh, denn ich wusste, was er wollte: Ich sollte den Käfig öffnen! So weinten wir beide, denn keiner wusste, was dann passieren würde. Nach ein paar Minuten fasste ich all' meinen Mut zusammen und öffnete den Käfig. Racky kam auf meinen Schoss. Ich nahm ihn in meine Arme und drückte ihn ganz fest. Es war Liebe, fast so als wäre ich seine Mutter und er mein Kind. Beide legten wir uns auf das Sofa und schliefen ein. Für uns beide war es eine harte Geburt gewesen!
Seit diesem Tag waren Racky und ich die besten Freunde, er liebte die ganze Familie. Zwei Jahre lebte er mit uns, bis er sich für den Wald entschied. Nun war er für immer frei, nie mehr in einem Käfig, doch wir waren seine Familie! Wenn ich an ihn denke, kommt mir der Gedanke, dass es schön ist, so einen Freund zu haben. Ich weiss jedoch, dass er nun eine eigene Familie hat und glücklich in Freiheit lebt. Racky, wir lieben Dich!
Racky lehrte mich sehr viel, für das ich ihm sehr dankbar bin. Seit dieser Zeit sind viele Jahre vergangen. Jedes Jahr nahmen wir mehr und mehr Findelkinder in unserer Familie auf und ich möchte keines dieser kleinen Geschöpfe missen. Alle leben unvergesslich in meinem Herzen weiter.

Die Liebe der Tiere ist die ehrlichste und aufrichtigste, die es für mich auf dieser Erde gibt.
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