Brigitte's News


Nadine, meine Zeit auf Heaven´s Gate



Zu meinem 50igsten Geburtstag schickte mir Nadine diesen wunderschoenen Bericht, wie sie sich auf Heaven’s Gate fuehlte.

Nadine, es war so schoen deinen Report zu lesen. All die wunderbaren Erinnerungen liessen mich sehr Lachen aber auch weinen.

Was waere Heaven’s Gate ohne Dich!

Danke Suesse,hab dich lieb!

Hier Ihr Bericht, muesst ihr unbedingt lesen!


°

Heaven´s Gate (Sommer 2008)

Hallo Ihr lieben Menschen dort draußen,

mein Name ist Nadine und ich habe im Sommer 2008 für 3 Wochen auf Heaven´s Gate in einem Campingwagen gelebt.

Brigitte hat mich gebeten Euch zu erzählen, wie ich meine Zeit auf Heaven´s Gate verbracht habe und ich freue mich sehr, dass ich es an Euch weiter geben darf, doch zuvor möchte ich noch berichten, wie es überhaupt dazu kam.

1. Die Suche…

Es war im Dezember 2007, ein für mich schwieriges Jahr neigte sich dem Ende entgegen, seelisch ging es mir nicht besonders gut, ich fühlte mich etwas alleine, aber im Fernsehen zeigten sie mal wieder den Spielfilm "City Slickers" (Männer aus der Großstadt machen "Cowboy-Urlaub") und ich musste wieder so sehr über diesen Film lachen.

Gleichzeitig wurde meine alte Sehnsucht geweckt Abenteuer-Urlaub in der Wildnis zu verbringen, dieses Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit, mit dem Pferd durch das weite Land galoppieren, am Lagerfeuer sitzen und den glitzernden Sternenhimmel beobachten.

Ich setzte mich an meinen Computer und "googelte" nach Cowboy-Urlaub. Nun ja, ich fand jede Menge Angebote, aber die Kosten für so einen Trip waren so hoch, dass ich niedergeschlagen die Suche einstellte.

Stattdessen suchte ich dann nach Urlauben, wo man auch arbeiten kann, zum Bespiel Ranch-Arbeit oder Mithilfe auf einer Wildtierstation. Ich liebte nämlich als Kind auch die TV-Serien "Der Mann in den Bergen" und "Die Abenteuer der Familie Robinson" - eine Aussteiger Familie, die mitten in der Wildnis lebte, umgeben von Wildtieren – vielleicht erinnert Ihr Euch – ich hatte mich als kleines Kind schon gefragt, warum ich eigentlich in der Stadt leben muss und nicht einfach in einer Holzhütte mitten in der Wildnis mit ganz vielen Tieren zusammen wohnen darf, - es war für mich einfach die perfekte Art zu leben und dieser Gedanke hat mich selbst bis heute nicht losgelassen...

Leider war es das gleiche Spiel, selbst wenn man bereit ist harte Arbeit zu leisten, muss man immer noch sehr viel Geld dafür bezahlen – Geld das ich einfach nicht habe. Ich war kurz davor mich mit der Tatsache abzufinden, dass es weder das Feeling "City Slickers", noch das Feeling "Familie Robinson" für mich geben wird, aber dann fand ich plötzlich die Internetseite von Brigitte und Alois!

Ich traute meinen Augen nicht und las mir alles immer wieder und wieder durch, nein ich hatte mich nicht verlesen, die beiden lebten tatsächlich fast so ein Leben wie diese Familie Robinson und damit nicht genug, Ihre Webseite war zugleich eine Bitte um Mithilfe.

Auf den Fotos sah ich Brigitte mit ihren coolen Rastazöpfen und dem Tattoo, die Waschbärenbabys eingekuschelt in ihre Jacke und sie gab ihnen die Flasche, mal abgesehen von den wunderbaren und zum Teil sehr herzzerreißenden Texten - mir schossen sofort die Tränen in die Augen, denn sie lebten das Leben, von dem ich als Kind schon träumte und fühlten und lebten die selbe Liebe für Tiere, wie ich sie im Herzen trage…

Ich war so aufgeregt, ich konnte es gar nicht fassen, aber damit noch nicht genug, Brigitte ist obendrein noch ein sehr spiritueller Mensch und auch ich habe meine Erfahrungen mit Spiritualität machen dürfen. Es war unglaublich, für mich war klar, dass dies kein Zufall sein kann, aber ich glaube sowieso nicht mehr an Zufälle…

Ich musste sie einfach sofort anschreiben und war überrascht und sehr glücklich, dass sie mir so lieb und herzlich zurück schrieb. Für uns beide war klar, dass ich sobald wie möglich zu Besuch kommen muss, aber es war schwierig für mich noch bis zum Sommer zu warten, ich wäre am liebsten direkt los geflogen.

2. Der Abflug

Dann war es endlich so weit. All die Monate schrieben wir uns regelmäßig und Brigitte versprach mir, dass Alois´ Sohn Andi mich vom Flughafen in Calgary abholen würde - damit brach dann innerhalb meiner Familie und in meinem Freundeskreis die große Panik aus…

"Du kennst diese Leute doch gar nicht! - "Vielleicht ist das eine Sekte!" - "Du bist doch noch nie alleine geflogen! - "Dein längster Flug waren 2 Stunden nach Mallorca! – "Du kennst Dich überhaupt nicht an Flughäfen aus!" – Du sprichst viel zu schlecht Englisch!" - "Und was machst Du, wenn Dich niemand abholt?!" und und und…

Ich musste innerlich so lachen, denn ich wusste, dass ich Brigitte vertrauen kann und ich wusste auch, dass ich das schon irgendwie alles schaffen werde, aber es war schön zu sehen, wie sich plötzlich alle um mich sorgten. Brigitte tat wirklich alles um alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, - DANKE Süße!!!!!!

Innerhalb von wenigen Tagen fand ich dann plötzlich einen günstigen Flug, eigentlich hatte ich das Geld nicht um den Flug komplett zu bezahlen, aber meine Familie wusste, dass dies ein Kindheitstraum von mir war und so schenkten sie mir zu meinem Geburtstag das nötige Geld, - es war unglaublich und ich war so glücklich!

Meine Mutter brachte mich zum Flughafen und ich muss Euch ehrlich sagen, ich war noch nie so aufgeregt. Mir viel plötzlich auf, dass ich mich wirklich nicht an Flughäfen aus kenne und ich hatte obendrein noch einen Flug mit zweimal Umsteigen… Der erste Umstieg war in Amsterdam und ich hatte nur 1 Stunde Zeit mein Gate zu finden… Mir wurde siedendheiß klar, dass ich wirklich so gut wie kein Englisch sprechen kann und dass mich spätestens beim Umstieg in Minneapolis niemand mehr verstehen wird – und umgekehrt… Also um es auf den Punkt zu bringen – ich stand kurz vor Herzinfarkt und betete, dass ich von meinen Engeln geführt werde und "Helfer" finde, die dafür sorgen, dass auch wirklich alles gut geht und ich problemlos in Calgary ankomme…

Meine Mama weinte als ich los musste und ich versuchte möglichst relaxt zu wirken, damit sie sich keine Sorgen macht. Ein letztes Mal drücken, ein Küsschen und auf ging´s…

Nervös wartete ich auf mein Flugzeug – laut Ticket war es die "British Airlines", aber angerollt kam plötzlich eine kleine Klapperkiste und da stand "KLM" drauf.

Oh Gott, ich betete, dass ich hier richtig war und dass ich mit dem Ding nicht bis nach Kanada musste.

Als ich direkt vor dem Flugzeug stand, sah ich, dass die Turbinen total schwarz vom dem ganzen Russ waren und überhaupt war das Teil schon hundertmal geschweißt worden… Der zerschlissene Sitz knarrte laut als ich mich setzte und alles in diesem Flugzeug erinnerte mich an einen uralten Schulbus – einschließlich der schlechten Luft…

Neben mir saß eine Frau etwa in meinem Alter, aber ich musste mich erstmal aklimatisieren und schaute aus dem Fenster, - natürlich genau auf die Tragfläche und die schwarzen Turbinen…

Dann kam der Start – als wir abhoben quietschte und ächzte das ganze Flugzeug und ich wartete nur darauf, dass die geschweißte Tragfläche jeden Moment abbricht – oh man die hat vielleicht gewackelt!

Als wir endlich oben waren, wurde ich langsam ruhiger und sah, wie die Frau neben mir ihr Flugticket aus ihrer Tasche kramte. Ich schielte auf Ihr Ticket und sah, dass sie auch in Amsterdam umsteigen musste, sie wollte nach Ontario. Also sprach ich sie einfach mal an um nicht immer auf diese wackelnde Tragfläche gucken zu müssen. Sie wollte wissen, zu welchem Gate ich denn in Amsterdam muss und mir viel auf, dass ich dass überhaupt nicht wusste. Sie meinte, es steht auf meinem Ticket, ach so… also kramte ich es auch aus meiner Tasche. So ein "Zufall" ich musste zu Gate 21 und sie zu 22. Ich war so erleichtert, denn sie kannte sich aus mit dem Fliegen und wir waren uns einig, dass wir nach der Landung gemeinsam losrennen um den nächsten Flieger rechtzeitig zu bekommen. Sie erklärte mir dann, dass die KLM nur ein City Hopper ist und wir in Amsterdam dann in das richtige Flugzeug umsteigen. In Gedanken umarmte ich meine Engel hier das erste Mal…

 

3. Der erste Umstieg

Nach der Landung musste dann alles ganz schnell gehen. Der Flughafen in Amsterdam war riesig, so etwas hatte ich noch nie gesehen und wir mussten natürlich genau zum anderen Ende um unser Gate zu erreichen. Ich war so froh diese Frau bei mir zu haben… War rannten los, vorbei an etlichen Menschen die die Rollbänder blockierten, der reinste Slalom und mein Handgepäck war so schwer… Schweißgebadet und mit abgeschnürten Fingern von der schweren Tasche, erreichten wir das Gate und drückten uns unbekannterweise herzlich zum Abschied.

Ich war total außer Atem und dachte, ich könnte einfach so meine Tickets zeigen und weiter gehen, aber ich wurde zurück gerufen – auf englisch – oh nein! Die Security wollte ein Interview. Ich versuchte zu erklären, dass ich eigentlich gar kein englisch sprechen kann und es eilig habe, aber aus Nummer kam ich nicht raus. Es war ein Holländer und er sprach glücklicherweise auch etwas deutsch. Er wollte wissen, wer meinen Koffer gepackt hat und wer mich zum Flughafen gebracht hat und wo ich hin will und warum. Na toll, ich kam dann mal wieder so richtig ins Schwitzen, aber er gab sich mit meinen halb englisch halb deutsch Antworten zufrieden und ich durfte weiter gehen. Jetzt ging die Kramerei wieder los, Gürtel ab, Schuhe aus, Plastiktütchen auf das Band und dann endlich wieder hinsetzen und warten.

Draußen stand es dann, - das "Super-Flugzeug". Ich hatte noch nie so eine große Maschine gesehen. Als wir rein gehen durften, war ich total beeindruckt. So viele Sitze und so ein langer Gang! Ich hatte wieder einen Sitzplatz am Fenster und WOW – Fernseher direkt vor mir im Sitz, Decke und Kopfkissen lagen parat, angenehme Luft und alles blitzsauber und gepflegt. Wie cool!!!

Neben mir saß ein Amerikaner im Buisness outfit und kaum war das Flugzeug oben, bestellte er sich ein Bier. Auch cool! Ich fragte ihn, ob das bei dem Flug inklusive ist und er bejahte. Als der Steward wieder bei uns war, bestellte ich mir strahlend auch eins und er lachte.

Eigentlich dachte ich jetzt, ich hätte es geschafft und könnte mich entspannen, aber dann kam der Steward schon wieder und verteilte weiße und blaue Zettel. Ich hatte keine Ahnung was das war, aber der Amerikaner neben mir versuchte mir zu erklären, dass ich den blauen Zettel brauche und ausfüllen muss. Ich guckte mir das Teil an und verstand nur Bahnhof – wieder alles in Englisch…

Er füllte seinen Zettel aus und zeigte ihn mir, aber das half mir nicht wirklich. Dann erklärte er mir den Fernseher und wir fanden eine Bedienungsanleitung zum Ausfüllen des Zettels auf Deutsch. Ich erzählte ihm voller Freude, von Brigitte und Alois und dass ich bei ihnen helfen und arbeiten will und dass sie Waschbären haben und fragte ihn, ob ich jetzt ankreuzen muss, dass ich auf einer Farm mit Tieren arbeiten werde. Er sagte, ich soll das bloß nicht ankreuzen, weil das nur unnötige Probleme bei meiner Einreise geben könnte. Er sagte, wenn mich jemand fragt, soll ich einfach sagen, dass ich lediglich Freunde besuche.

Oh man, wieder ein leises DANKE an meine Engel, denn den Fehler hätte ich sonst auf jeden Fall gemacht… Ich bedankte mich und wir stießen an mit unserem Bier.

Dann endlich kehrte Ruhe ein. Ich erforschte den Fernseher und fand einen Musiksender mit echter amerikanischer "Country-Musik". Das war der Hammer! Ich setzte die Kopfhörer auf und dachte, scheiß drauf, - jetzt bestelle ich mir nen Whisky Cola, egal was der kostet!

Ich bimmelte den Steward an und fragte ihn, wie teuer der ist und da lachte er wieder und sagte, das wäre hier auch inklusive. Perfekt! Ich muss wohl so gestrahlt haben, dass der mir gleich zwei Stück gebracht hat. Überglücklich sah ich aus dem Fenster, unter mir eine Wahnsinns-Landschaft, die Sonne schien und die Country-Songs im Ohr – endlich Urlaubs- und Abenteuer-Stimmung – GEIL!!!!

4. Die letzte Hürde

Ich hatte so schön die Zeit vergessen und hervorragend den Gedanken verdrängt, dass ich ja noch einmal umsteigen muss und noch dazu mein Gepäck in Minneapolis erneut einchecken darf.

Die Landung war dann also wieder Stress pur. Ich hatte keine Ahnung wo ich hin muss, aber zum Glück brauchte ich nur der Menschenmenge folgen und es führte auch nur ein Weg zum Gepäckband. Bevor ich allerdings an meinen Koffer kam, hatte ich die Wahl zwischen sechs verschiedenen Menschenschlangen mit jeweils unterschiedlichen Bezeichnungen am Schalter und hurra – ich konnte keine lesen weil wieder alles in Englisch war. Ich zeigte dann irgendeinem Menschen mein Ticket und fragte wo ich mich anstellen muss und es war natürlich die Reihe, wo die meisten Menschen standen. Der Schlange nach zu urteilen geschätzte Wartezeit 2-3 Stunden – ich bekam Schweißausbrüche…

Der Raum war viel zu klein für die ganzen Menschen, die Luft schlecht und ich hatte das Gefühl, es werden einfach nicht weniger Leute. Irgendwann konnte ich dann auch erkennen, warum es so lange dauerte. Es gab wieder ein Interview für jeden Einzelnen und noch dazu wurden Fingerabdrücke gemacht und die Augen gescannt. Ich kam mir vor wie in einem Science-Fiction-Film, das hatte ich auch noch nie erlebt.

Als ich endlich dran kam, war ich schon sehr müde, aber die Aufregung war groß und mein Interview meisterte ich recht gut. Natürlich sagte ich brav meinen Satz, dass ich meine Freunde in Kanada besuche und lies gespannt die Prozedur mit den Fingerabdrücken und dem scannen der Augen über mich ergehen.

Kaum war ich damit fertig und hatte meinen Koffer in der Hand, wartete auch schon das nächste Problem, - ich wusste wieder nicht, wo ich hin muss. Die Leute gingen jetzt nämlich alle in Unterschiedliche Richtungen mit ihrem Gepäck, aber direkt vor mir war ein Gepäckband wo nur wenige Leute ihre Koffer aufgaben, also stellte ich mich erstmal dort an. Kurz bevor ich an der Reihe gewesen wäre kam plötzlich ein Polizist direkt auf mich zu. Mir dreht sich kurz der Magen um, denn ich hatte keine Ahnung was jetzt los war. Ich verstand auch nicht, was er von mir wollte, aber dann deutete er mir an, dass ich ihm mein Ticket zeigen sollte und ihm mit meinem Gepäck folgen sollte.

Wir gingen durch einen anderen Flur und hinter einer Glastür war links ein anderer Check-in für Gepäck. Er lächelte und sagte, ich müsste mein Gepäck hier aufgeben. Ich war total verwirrt, denn woher wusste dieser Polizist jetzt, wo ich hin musste? Er kam auf mich zu bevor er mein Ticket gesehen hatte… Mir wurde klar, dass ich beinahe meinen Koffer falsch eingecheckt hätte und dass dieser Mann das irgendwie gewusst hatte…Irre…Wie auch immer, ich bedankte mich schon wieder bei meinen Engeln und lächelte Kopfschüttelnd vor mich hin, während ich die nächsten Kontrollen passierte.

Es war noch etwas Zeit bis mein nächster Flieger starten würde, also wechselte ich erstmal Geld und bummelte durch den Flughafen. Das war lustig, denn überall gab es Cowboyhüte und Indianerschmuck und manche Leute hatten sogar schon Cowboyhüte auf. Super, ich war direkt wieder in "Stimmung".

Dann konnte ich endlich in das nächste und letzte Flugzeug nach Calgary steigen. Es war wieder so ein klappriger City-Hopper, aber das war mir jetzt auch egal, denn ich war total erschöpft und schlief sofort ein.

5. Auf dem Weg nach Heaven´s Gate

Die Landung war sehr unsanft, aber wenigstens war ich jetzt wieder hellwach... Der Weg zum Gepäckband war einfach und Gott sei Dank, mein Koffer war einer der Ersten. Ich war da! Nach 16 Stunden endlich geschafft! Juchuuu!!!!!

Als ich durch die Ausgangstür kam, sah ich direkt zwei junge Männer auf den Wartebänken sitzen. Ich hatte keine Ahnung wie Andi aussieht, aber ich wusste, dass ist er und der andere muss ein Freund sein.

Die beiden guckten mich ganz verdutzt an, weil ich so zielstrebig auf sie zukam, aber dann freuten wir uns und trotz Müdigkeit plapperte ich direkt los.

Andi erzählte mir, dass Chris in dieser Nacht 18 Jahre alt wird und fragte, ob ich es noch schaffen würde, in eine Bar zu gehen, damit wir darauf anstoßen können. Chris sprach leider nur englisch, aber für mich war ganz klar, der 18. muss gefeiert natürlich werden. Es war etwa 23:30 Uhr und wir suchten vergebens nach einer Bar die noch geöffnet hatte. Schade, wir konnten keine finden und stießen dann eben an einer Tankstelle auf Chris´ Geburtstag an. Dann machten wir uns auf den Weg nach Heaven´s Gate.

Schon bald wurden die Straßen immer einsamer und düsterer und naja… ich musste mal… Natürlich gab es keine Raststätte mehr und so hielten wir an einer eingezäunten Weide. Das Tor stand auf und ich erkannte einige Meter weiter einen kleinen Busch. Es war stockdunkel und Autos fuhren auch nicht mehr, also egal. Als ich durch das Tor ging, merkte ich Metall unter den Füßen, schenkte dem aber keine weitere Beachtung sondern steuerte meinen Busch an. Kaum saß ich in der Hocke, kam natürlich ein Auto aus dem Nichts und ich saß für einen Moment im "Rampenlicht"…super… Dann wollte ich wieder zurück durch das Weidentor und rutschte plötzlich mit meinem Fuß zwischen zwei Metallstangen in ein Loch, stolperte und steckte kurzeitig fest. Klasse, ich wusste ja nicht, dass diese Konstruktionen hier an Weiden so üblich waren. Es war aber nichts weiter passiert, ich operierte meine Fuß wieder aus den Stangen und musste laut lachen – mein erstes Erlebnis auf kanadischen Boden.

Unterwegs schlief ich dann doch ein und als wir nachts auf Heaven´s Gate ankamen, sah ich erstmal nichts und zwar absolut NICHTS, denn es war wirklich stockfinster. Der Himmel war bedeckt mit tiefschwarzen Wolken und das war schon irgendwie befremdlich, denn sonst gibt es ja immer irgendwo eine kleine Lichtquelle – hier nicht.

Chris verschwand direkt in der Dunkelheit in seinem Campingwagen und Andi und ich marschierten rüber zu dem Camper in dem wir schlafen sollten. Ich hatte absolut keine Orientierung und stolperte Andi einfach hinterher. Im Camper zog ich mir nur schnell meine Skiunterwäsche an, denn es war ganz schön kalt und dann putzte ich mir die Zähne mit einem Eimer Wasser der in dem Minibadezimmer stand. Brigitte hatte mich schon vorgewarnt, dass es kein fließendes Wasser aus dem Hahn gibt, aber das war mir egal. Zugegeben, - das Wasser in dem Eimer war allerdings ganz schön eisig für die Uhrzeit. Ich fiel dann nur noch in meinem Schlafbereich und freute mich, über die vielen warmen Decken und Kissen. Ach sie hatte es so hübsch für mich hergerichtet. Alles war in rosa Farben und es sah aus wie ein richtiges Prinzessinnenbett. Natürlich hatte sie auch eine Abtrennung zu Andis Schlafbereich gebastelt. Mir war sofort ganz warm uns Herz und ich schlief selig und glücklich ein.

 

 

6. Der erste Tag

Am nächsten Morgen wurde ich sehr früh wach, denn ich spürte, dass die Sonne bereits schien und ich hörte die Vögel singen. Als ich die Augen öffnete, konnte ich direkt aus dem Fenster schauen und sah erstmal nur Bäume. Ich war so neugierig wie es draußen wohl aussehen würde und setze mich sofort auf und blickte raus.

Ich konnte gar nicht fassen was ich da als erstes sah, der Anblick war so wunderschön, dass ich dort wie gelähmt aus dem Fenster starrte. Direkt vor mir waren die riesigen Rocky Mountains. Auf den Gipfeln lag noch etwas Schnee und die Sonne strahlte sie richtig golden an. Alles leuchtete gold-orange und die Sonnenstrahlen brachen durch die Bäume die den Camper umgaben. Die Vögel flatterten hin und her und vor den Bergen war eine riesige Blumenwiese, - ich konnte es einfach nicht fassen, es sah aus wie eine Märchenlandschaft! Keine Sekunde konnte ich mehr länger im Bett bleiben, ich musste sofort raus aus dem Camper und meine Umgebung erkunden!

Ich wollte alles sofort sehen und war so ungeduldig, dass ich mich noch nicht einmal anzog. In Skiunterwäsche schlüpfte ich in meine Stiefel und riss die Campertür auf.

Vor Schreck wäre ich fast rückwärts wieder rein gefallen, denn unmittelbar vor mir stand plötzlich ein großer Schwanzwedelnder Hund und sprang mich vor lauter Freude direkt an. Die Pfoten landeten auf meinen Schultern, die Zunge in meinem Gesicht und ich konnte so grade noch das Gleichgewicht halten. Ich war so verdutzt und musste laut lachen über diesen herzlichen Empfang.

Es war Honey, sie hatte offensichtlich schon darauf gewartet, dass ich aufwache, damit sie den neuen Besuch endlich begrüßen kann. Unglaublich, ich kannte diesen Hund doch gar nicht und trotzdem hatte sie vor dem Camper gelegen und auf mich gewartet.

Ich begrüßte sie ausgiebig und sie leckte mir immer wieder das Gesicht und tanzte um mich herum. Dann brachte sie mir aufgeregt ein Stöckchen. Alles Klar, ich hatte verstanden - wir gingen rüber zu dieser traumhaften Wiese und spielten zusammen. Es war herrlich, wie im Paradies, es war schon recht warm und ich hatte so viel Spaß mit Honey und musste immer wieder lachen und drehte mich im Kreis. Ich konnte das alles noch gar nicht fassen.

Nach einer Weile wollte ich dann etwas mehr von der Gegend sehen und ging in den Wald hinter unserem Camper. Honey folgte mir, bis wir an einen kleinen Fluss kamen. Das Wasser sah so klar aus, dass ich mich direkt ans Ufer kniete und einen Schluck davon trinken musste. Lecker! Unglaublich, so reines klares, frisches Wasser und so bitter kalt, hahaha! Ich trank noch mehr und erfrischte mein Gesicht, ach es war so herrlich! Natur pur! Ehrlich, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was das für ein Glücksgefühl war!

Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren und ging zurück zum Camper um mich anzuziehen. Andi war gerade aufgewacht und meinte, ich könnte ruhig schon rüber gehen zu Brigitte und Alois. Ich war richtig aufgeregt, denn ich kannte Brigitte ja wirklich nur vom Schreiben und von den Fotos ihrer Webseite.

Ich lief rüber zu ihrem Campingwagen und dann kamen sie und Alois mir auch schon entgegen. So eine hübsche Frau und so eine Herzlichkeit und das obwohl wir uns gar nicht kannten! Wir setzten uns alle in die "Küche" (ein Zelt hinter dem Campingwagen), tranken gemeinsam Kaffee und ich hatte überhaupt nicht das Gefühl fremd zu sein. Als die Jungs dazu kamen frühstückten wir und es war irgendwie seltsam, denn alles war so selbstverständlich, als wären wir eine große Familie und würden uns schon lange kennen. Alle plapperten durcheinander, die Hunde Honey und Lissy wuselten um uns herum und es war herrlich in dem halb offenen Zelt, mitten in der Natur zwischen den Bäumen zu sitzen. Wasser wurde auf dem Gaskocher erhitzt und kam direkt aus dem Fluss. Ich fühlte mich pudelwohl. Nach dem Frühstück fuhr Alois mit den Jungs in die Stadt, denn sie mussten Lebensmittel besorgen. Jetzt hatten Brigitte und ich Zeit zum Reden.

Sie führte mich rum und zeigte mir wo alles steht und stellte mir Margarita vor. Ich war so fasziniert, ein echter Waschbär und so niedlich! Aber es war sofort klar, dass die Kleine kein Schmustier, sondern ein Wildtier ist. Sie lies sich von mir streicheln, leckte mir kurz die Finger, aber sie wusste ganz genau wer ihre Mama ist. Während Brigitte und ich uns unterhielten, krabbelte Margarita immer wieder an den Schränken hoch und manchmal viel was aus dem Regal. Brigitte blieb ganz ruhig und räumte einfach alles wieder ein. Margarita hangelte sich dann an Brigitte hoch und turnte so lange auf ihr rum bis sie müde wurde und wieder in ihrem Arm einschlief.

Ich fühlte, dass es Brigitte und mir sehr gut tat, sich mit jemandem auszutauschen, der auch spirituelle Erfahrungen gemacht hat und einen nicht gleich für etwas verrückt und weltfremd erklärt. Jemand der zuhört, Interesse und Verständnis zeigt und spürt, wie der andere empfindet. Irgendwann fingen wir dann beide vor Freude an zu weinen und haben uns ganz doll gedrückt und waren glücklich, dass wir uns gefunden hatten. Ich war so froh endlich dort zu sein.

Kurze Zeit darauf kamen dann Brigittes Nachbarn Jiry und Irena. Sie waren neugierig auf den "deutschen" Besuch, aber Brigitte bat sie später wieder zu kommen, wenn Al mit den Jungs wieder da ist. Wir wollten dann alle gemeinsam den Geburtstag von Chris feiern. Kaum waren sie weg, kamen auch schon die nächsten Nachbarn. Es waren Ruth und Gordon. Wir setzten uns an den Tisch draußen in die Sonne und es dauerte nicht lange, bis auch die Männer wieder zurückkamen. Jiry und Irena brachten Kuchen für alle mit und es war eine lustige Runde. Ich verstand zwar kein Wort, aber Brigitte übersetze so gut wie möglich für mich. An diesem Tag wurde auf Heaven´s Gate nicht gearbeitet und wir ließen den Tag gemeinsam am Lagerfeuer mit Blick auf die Berge ausklingen.

7. Mein "Badezimmer"

Am nächsten Morgen hatte ich das Bedürfnis mich zu duschen, aber das hätte bedeutet, dass ich vorher zu Brigittes Camper 12 Eimer Wasser schleppen müsste um die Anlage aufzufüllen. Och nööö…

Die Sonne schien, es war warm und ich liebte den klaren Fluss unten im Wald, also schnappte ich meine Sachen und nahm einen leeren Eimer mit. Andi erklärte mich für verrückt mich tatsächlich in dem kalten Fluss waschen zu wollen und Honey begleitete mich auf meinem Weg um "Wache" zu halten. Eigentlich wollte ich mich mitten in den Fluss stellen, aber das Wasser war so eisig, dass mir schon nach wenigen Sekunden die Füße wehtaten. So funktionierte es schon mal nicht, also setze ich mich auf mein Handtuch und wusch mich mit dem Waschlappen. Während ich so still da saß, hörte ich plötzlich leise Musik. Es hörte sich an, als ob Jemand ein Lied summt. Ich schaute mich um, aber es war niemand da. Dann hörte ich genauer hin – es war der Fluss! Vermutlich ist es genauso ein Phänomen wie wenn der Wind pfeift, aber in dieser Landschaft kommt man auch schon mal auf die Idee nach einer kleinen Elfe Ausschau zu halten, die irgendwo sitzt und singt… Ich saß einfach nur da und lächelte vor mich hin. Herrlich!

Dann wollte ich meine Haare waschen, aber ich wollte auch nicht den Fluss verschmutzen. Also füllte ich den leeren Eimer und tauchte meinem Kopf in das eiskalte Wasser im Fluss. Für einen Moment dachte ich echt, mir platzt der Schädel! Ich schäumte mir die Haare ein und massierte mir die Kopfhaut um sie wieder zu beleben…Dann spülte ich die Haare in dem Eimer wieder aus. Mann, war das kalt!!!! Danach fühlte ich mich allerdings wie neu geboren! Sauber und frisch und mir wurde ruck zuck warm. Ein genialer Start in den Tag und ich beschloss, diesen Fluss zu meinem neuen Badezimmer zu ernennen. Von nun an wusch ich mich nur noch dort! Übrigens – Andi hat es dann nach ein paar Tagen genauso gemacht, hihi…

 

 

 

 

 

8. Margarita – "sweet and wild"

Beim Frühstück ging mir dann Margarita (wie eigentlich fast jeden Tag) ganz schön auf die Nerven. Ständig attackierte der kleine Wirbelwind meine Füße und ich hatte ja nur Sandalen an. Ihre spitzen Krallen und Zähnchen taten schon ganz schön weh, obwohl sie noch so klein war. Ich wollte gerade in mein Brot beißen, da hangelte sie sich plötzlich an meinem Bein hoch, weil sie auf meinen Schoß wollte. Dabei zerkratze sie mir die Beine und als sie auf meinem Schoß angekommen war, grabschte sie mit ihrer kleinen Waschbärenhand auch schon nach meinem Brot und wollte sich dann ganz auf den Tisch hochziehen. Ich weiß nicht mehr wie oft mich Brigitte vor Margarita beim Essen "retten" musste, aber es war immer lustig und wir haben sehr viel gelacht. Ich konnte Margarita auch nie böse sein, sie war einfach zu niedlich und eben ein echtes kleines Raubtier, dass sich irgendwann einmal alleine in der Wildnis durchschlagen muss.

Einmal sollte ich nur kurz auf Margarita aufpassen, weil Brigitte beschäftigt war. Ich saß mit ihr in der Küche und plötzlich fing sie an, die Stoffregale mit den Lebensmitteln auszuräumen. Ich räumte schnell alles wieder ein und in der Zeit ist sie von oben auf die Stoffregale geklettert und warf von dort alles wieder runter. Die Regale waren nur mit einem Klettverschluss befestigt und Margarita versuchte dann auch noch das Band zu öffnen. Ich wusste schon gar nicht mehr, wo ich hin sollte um das drohende Chaos zu verhindern und versuchte sie von dem Regal zu locken, denn sonst wäre ja alles runter gekracht, aber sie machte sich einen richtigen Spaß daraus, dass ich auf sie aufpassen sollte und knibbelte fleißig weiter an dem Klettband. Hätte sie gewusst wie, ich glaube sie hätte mir die Zunge raus gestreckt und eine "lange Nase" gezeigt. Ich musste über ihren frechen Gesichtsausdruck richtig lachen und holte mir dann sicherheitshalber Handschuhe um sie vom Regal zu heben, denn ich wusste, sie würde überhaupt nicht einsehen, wenn ich sie da runter hebe, das durfte nur Mama Brigitte. Sie krallte sich natürlich demonstrativ am Regal fest, aber ich bekam sie runter. Kaum hatte ich sie auf dem Boden abgesetzt, fauchte sie mich an, machte einen Buckel und sprang wieder auf meine Füße zu. Arrrrggghhh!!! Honey kam dann in die Küche und "rettete" mich, indem sie sich einfach vor mich stellte und Brigitte lachte sich schlapp als sie wieder kam. Ich fragte mich, wie sie es geschafft hatte 12 Waschbären unter Kontrolle zu halten – unfassbar.

 

 

 

 

9. Holz sammeln, Feuer machen, Wiese mähen

Zu meinen Hauptaufgaben in den folgenden Tagen gehörte zunächst Holz einsammeln und Feuer machen, denn die Wiesenflächen mussten Holzfrei sein, damit die Tiere sich dort später nicht verletzen. Hört sich erstmal ganz einfach an, war es aber nicht… Das Grundstück ist nämlich so riesengroß, dass ich gar nicht wusste, wo ich zuerst anfangen sollte. Bewaffnet mit Schubkarre und Hake pulte ich große und kleine Holzstücke und Äste aus der Wiese, teilweise waren sie richtig fest von Gras umschlungen. Ich warf alles in die Schubkarre und fuhr das Holz zur Feuerstelle. Am liebsten schleppte ich die dicken und schweren Äste und Stämme, denn dann konnte ich wenigstens erkennen, dass ich schon ein bisschen was geschafft hatte. Natürlich piekten die Zweige und zerkratzen mir Arme und Beine, aber nach einer Weile merkte ich das schon nicht mehr und wundert mich abends nur noch, wo die ganzen blauen Flecke, Macken und Schrammen her kamen.

Besonders ekelig waren allerdings die Holzstücke, die im hinteren Teil der Wiese, hinter dem Haus lagen. Dort war die Wiese nämlich sehr sumpfig und der Schlamm quoll mir durch meine Sandalen, wenn ich das morsche Holz aus dem Sumpf zog. Richtig geekelt hat es mich dann, als ich ein sehr marodes Holzstück erwischte und es mir direkt über meinen Füßen in der Hand zerbröckelte, denn heraus vielen unzählige Armeisen und die waren ungefähr so groß wie mein Daumennagel. Baaaahhhhh!!!! Ich hüpfte los wie Rumpelstielzchen und suchte mir eine Schlammpfütze, in die ich meine Füße eintauchen konnte um die ganzen Armeisen wieder abzuspülen. Nur gut dass das keiner gesehen hat, hihi…

Als meine erste Feuerstelle hoch genug war zum Anzünden, stopfte ich überall etwas Papier dazwischen und trockenes Gras und war sehr zuversichtlich, dass dieser Haufen nun gleich in schönen großen Flammen aufgehen würde. – Pustekuchen… Das Papier brannte zwar, aber verkohlte dann auch sofort wieder und kein einziger Zweig fing Feuer. Toll, - das ganze Papier war weg und nichts passiert.

Als Brigitte kam und meinen "Scheiterhaufen" sah, fing sie sofort an zu lachen, denn so konnte es auch nicht funktionieren. Sie erklärte mir dann, wie man ein richtiges Feuer macht und wir zündeten dann das gestapelte Holz gemeinsam an. Anschließend machten wir alle zusammen Kaffeepause, denn die Männer hatten währenddessen fleißig am Haus gebaut und alle freuten sich jetzt auf Kaffee und Kuchen.

Nach einigen Tagen konnte ich dann echt kein Holz mehr sehen und war froh, dass Brigitte anfangen wollte die nun fast holzfreie Wiese zu mähen Darüber hinaus wollte sie Trailwege frei sensen, damit wir mit den Pferden dort besser reiten können. Es gab zwei benzinbetriebene Mähmaschinen, die man sich umhängen konnte. Brigitte erklärte mir, wir das Gerät funktioniert und ich muss sagen, dass hat wirklich Spaß gemacht. Natürlich lief auch das nicht immer reibungslos, denn man musste darauf achten, dass der Mähfaden nicht zu kurz wird, weil man sonst die Spule komplett aufmachen muss. Tja, das Timing hatte ich leider nicht, denn ich war so im Mähfieber, das ich mich irgendwann wunderte, warum kein Gras mehr durch die Gegend fliegt und die Maschine einfach nur noch laut war…

Also musste Brigitte mir wieder helfen die Spule zu öffnen und den Faden neu zu wickeln und das mehr als einmal, hahaha…

Blöd war auch, dass die Wege immer so weit waren. Es war nämlich sehr heiß und wenn ich Durst hatte, musste ich loslaufen meine Flasche Wasser holen und wenn die leer war, musste ich wieder runter zum Fluss Auffüllen. Genauso mit dem Benzin für die Mähmaschine. Letztlich ist es alles eine Frage der Organisation. In den kommenden Tagen nahm ich direkt Wasser und Benzin mit, - aber man wächst ja mit seinen Aufgaben…

Übrigens waren die Tiere bei allen unseren Arbeiten immer dabei. Margarita lief Brigitte wie ein Hund hinterher, ab und zu krabbelte sie auf ihren Schultern rum oder kuschelte sich in ihren Arm. Manchmal ließ sie sich dann auch gerne von mir kraulen und wenn sie so zufrieden aussah mit ihren dunklen Knopfaugen und mit ihrer kleinen Hand nach meinen Finger griff und ihn kurz ableckte, dann ging mir echt das Herz auf. Honey folgte mir vom ersten Tag an auf Schritt und Tritt und war total begeistert, wenn ich Holz einsammelte. Immer wieder half sie mir, indem sie mir unzählige Stöckchen anschleppte und natürlich warf ich zwischendurch auch einige für sie zum apportieren. Abends saßen wir dann meistens alle zusammen erschöpft, aber glücklich mit den Tieren am Lagerfeuer.

10. Einkaufen

Irgendwann wurde es mal Zeit einen Großeinkauf zu starten. Wir brauchten Lebensmittel, Getränke und verschiedene Werkzeuge. Ich freute mich riesig, dass ich mit Brigitte in die Stadt fahren durfte, denn bislang kannte ich ja nur das Grundstück. Allein die Fahrt in dem Pick up war schon cool, denn Brigitte und ich setzen selbstverständlich unsere Cowboyhüte auf, kurbelten die Fenster runter, drehten die Country-Musik auf und hatten lässig unsere Zigaretten im Mundwinkel. Natürlich legte ich auch mein Bein hoch auf die Armatur. Logisch, dass die Cowboys gewunken haben, wenn wir an ihnen vorbei fuhren, hahaha!

Unterwegs trafen wir den Freund und Nachbarn Gordon, auf seinem Pferd, denn er trieb seine Rinderherde vor sich her zur nächsten Weide. Er ist nämlich auch ein echter Cowboy!

Der erste Stopp war nach 25 Minuten Fahrt ein Spirituosen Laden. Ich wollte Whisky kaufen und allein das äußere Erscheinungsbild von diesem Shop war schon lustig, denn es war einfach nur eine kleine Bretterbude. Der Verkäufer war so dick, dass er kaum hinter den Tresen passte und im Schaufenster saß ein Papagai auf seiner Schaukel und hampelte von links nach rechts. Als wir alles hatten kam ein Indianer rein, aber es war ein komisches Bild, denn er trug eine Sonnenbrille, Muskelshirt, Shorts und Badeschlappen. Eigentlich nichts ungewöhnliches, aber irgendwie hatte ich mir einen Indianer anders vorgestellt. Zwar nicht mit Federschmuck, aber irgendwie auch nicht so… Als wir gehen wollten, demonstrierte uns der Besitzer noch kurz, dass sein Papagai auch sprechen kann, ich verstand zwar kein Wort, aber egal, es war trotzdem witzig.

Dann fuhren wir weiter zum Walmart, der war etwa 45 Minuten entfernt, aber der ist so wie hier in Deutschland. Wir kauften Lebensmittel und was für unser BBQ, denn wir wollten abends grillen. Anschließend kauften wir noch Nägel für den Zaun den wir bauen wollten und fuhren wieder zurück.

Nach dem Ausladen ging es auch direkt weiter mit dem Wiese mähen, denn schließlich wollten wir ja vorankommen.

Abends waren wir wie immer ziemlich KO, aber bei dem leckeren BBQ wurden wir langsam wieder munter. Alois konnte gar nicht fassen, was ich alles essen konnte. "Ich hab gedacht dünn wie Du bist isst Du nur zwei Blatt Salat" hat er zu mir gesagt, hahaha! Falsch gedacht – wer viel Arbeitet muss auch viel Essen – irgendwo muss die Power ja her kommen, hihihi…

Nach dem Essen gönnten wir uns dann etwas Whisky….und dann etwas mehr…und noch mehr…Es war wieder typisch, dass Margarita über den Tisch lief, mit den Pfoten den Aschenbecher leer kramte, ihn umkippte und dann ihre dreckigen Pfoten ausgerechnet in meinem Whiskybecher abwusch. Aber ein echter Camper ist hart im Nehmen und Dreck reinigt bekanntlich den Magen – also nahm ich ein Taschentuch und einen sauberen Becher und füllte einfach alles um und hatte somit die Asche wieder rausgefiltert. Kein Probleeeem… Grrrrr… Und dann machten wir "Party"… Yeahhh!!!! Chris und ich drehten die Musik auf, im Radio spielten sie Heavy Metal und wir machten "Headbanging" – es gab Momente, da verstanden wir uns eben auch ohne Worte…Brigitte lachte sich schlapp, Al schüttelte nur noch mit dem Kopf und Andi trank sich direkt noch einen Hinterher… hahaha!

11. Besuch aus Deutschland

Dann kam Jürgen aus Hannover zu Besuch. Er ist ein Freund von Brigitte und Alois und macht öfters Urlaub in Kanada. Wenn er es schafft, kommt er immer wieder mal zu Besuch und hilft bei sämtlichen Arbeiten die anfallen einfach so mit. Dieses Mal bauten die Männer eine Cabin und Jürgen half uns außerdem beim Spannen der Zäune. Inzwischen hatte ich eingesehen, dass es beim Arbeiten besser ist Gummistiefel zu tragen, denn meine Füße waren in den Sandalen teilweise so schwarz geworden, dass ich sie kaum sauber bekam. Außerdem sprühte ich mich jetzt auch immer mit Autan ein, denn mittlerweile hatte ich etwa 18 Mückenstiche und die waren so dick, dass es schon ziemlich wehtat. (Dürft Ihr also nicht vergessen mit zu nehmen!) Einen hatte ich direkt auf der Hand und die war so angeschwollen, dass ich keine Faust mehr machen konnte. Zwischendurch musste ich Kühlpads auflegen, weil es so gepocht hat um die Schwellung zu stoppen. Naja, das lag aber auch daran, dass ich mich ja immer im Fluss gewaschen habe und da war ich natürlich ein willkommenes Opfer für die ganzen Moskitos.

Die Arbeit mit dem Zaun hat dennoch sehr viel Spaß gemacht. Jürgen hat gespannt, Chris hat den Drahtzaun gehalten und ich habe den Draht an die Pfosten genagelt. Echtes Teamwork und wir kamen super schnell voran.

Brigitte hatte in der Zwischenzeit mit den Nachbarn ausgemacht, dass wir die Pferde zum Ausreiten haben dürfen und das war natürlich genial! Nach getaner Arbeit stärkten wir uns und fuhren rüber zu den Nachbarn. Es war lange her, dass ich auf einem Pferd saß und ich bin noch nie mit einem Westernsattel geritten, aber umso besser war es, dass ein Pferd dabei war, dass nur englisch geritten wurde und diese Stute sollte ich bekommen. Jiry und Irena warnten mich allerdings vor diesem Pferd, denn es sollte angeblich bösartig sein, besonders zu Frauen...

Als wir auf der Weide ankamen, war mein Pferd das größte und sie standen schon alle angebunden für uns parat. Ich ging auf die Stute zu, sie hieß "Arther", streichelte sie am Hals und es war für mich sofort klar, dieses Pferd ist definitiv nicht bösartig. Wir sattelten die Pferde und Arther benahm sich völlig normal. Irena sagte dann überrascht zu mir, dass Arther mich zu mögen scheint.

Der Ausritt war phantastisch! Wir hatten bestens Wetter und die Landschaft war einfach nur traumhaft! Unsere Pferde waren super brav und das obwohl sie so selten geritten wurden. Wir alle genossen diesen Ritt so sehr und es war für mich das schönste Gefühl durch diese weite und wunderschöne Landschaft zu galoppieren! Juchuuuuu!!!!! Danke Arther, Du bist ein tolles Pferd!

12. Hausbau

Während der ganzen Zeit hatten Al, Andi und Chris fleißig an dem Haus gebaut, doch nun war jede weitere Hilfe wertvoll, denn der riesige, schwere Trägerbalken musste eingesetzt werden. Mann, war das ein gewaltiges Teil! Gut, dass Jürgen (= "Blincky") auch da war. Die Männer arbeiteten wirklich hart und ich war total beeindruckt von Andi, denn der hat mit seinen 22 Jahren echt alles gegeben. Er hat malocht wie ein Profi und ist ohne Furcht die hohen Leitern hoch gestiegen, bis rauf auf den Dachgiebel. Ich hatte immer Angst, dass er runter fällt und habe die Leiter festgehalten, aber er hatte alles im Griff und bis ins kleinste Detail geplant. Den schweren Balken hat er ganz alleine in den Träger gehoben – Wahnsinn – Andi Du warst echt ein Held!

Chris und ich haben dann das Haus von außen und von unten mit Folie isoliert. Mit dem Festtackern wechselten wir uns ab, weil wir schon Blasen an den Händen bekamen und die Arme immer schwerer wurden. Die Isolation von unten drunter war allerdings wieder etwas ekelig. Es war sehr eng unter dem Haus, darum war es besser, dass ich drunter krabbelte und die Folie mit Holzlatten festschraubte, aber als ich sah, was da für Insekten wimmelten, habe ich mir schnell den Tarnanzug von Al übergezogen und die Haare hochgesteckt. Iiiiiiiiihhhh! Natürlich hab ich keine Miene verzogen und Chris hat mir die Schrauben für den Akkubohrer angegeben. Es war schon phänomenal wie schnell plötzlich dieses Haus Form annahm!

Nach der harten Arbeit waren alle total fertig und Brigitte tat mir schon leid, weil sie so oft für uns alle kochte, obwohl sie selbst total müde war, also fragte ich die Mannschaft, ob ich das mit dem Kochen mal versuchen sollte, denn ich kann nämlich ehrlich gesagt gar nicht gut kochen. Alle waren sich aber sofort einig – JA – egal wie es schmeckt… Hm… okay, dass war für mich Stress pur, denn wir waren 6 Leute und ich hatte keine Ahnung, womit ich die jetzt satt bekomme. Ich durchwühlte alle Kühlschränke und das Küchenzelt und "zauberte" ein Resteessen. Grillfleisch, Nudeln, Wurst, Gurken, Käse, Peperoni, ach – alles was ich fand schnibbelte ich klein und haute es in die Pfanne. Dann sah ich noch ein angebrochenes Paket Kondensmilch, - was soll´s muss bestimmt auch weg, also rein damit… Naja, als es fertig war, sah es nicht so wirklich appetitlich aus, aber alle freuten sich und zu meiner Erleichterung schmeckte es auch recht gut, denn es wurde alles aufgegessen. Nur den Geschmack der Kondensmilch fanden sie gewöhnungsbedürftig, zumal das eigentlich Margaritas Abendbrot war, denn sie bekam ab und zu die Kondensmilch uebr ihr Futter…uuuupsss…

13. Das Indianerzelt ( = Tippi)

Jürgen war wieder abgereist, wollte aber noch mal wieder kommen, bevor wir zurück fliegen und die Nachbarn Ruth und Gordon brachten uns an einem Tag etliche Tippistangen für das neue Indianerzelt. Es waren etwa 5 Meter lange und recht dünne Baumstämme, von denen noch die Rinde abgeschält werden musste. Dies sollte meine Aufgabe werden. Die Stangen lagen am Waldrand und Brigitte zeigte mir, wie man den Schäler benutzt. Anfangs versuchte ich es vom Boden aus, aber es war fast unmöglich die schweren Stangen zu drehen, also bauten Brigitte und ich eine Halterung, wo ich sie drauf heben und drehen konnte. Es war gar nicht so einfach, die langen schweren Stangen alleine in die Halterung zu bekommen, aber schon nach kurzer Zeit fand ich eine Technik, wie es ganz gut klappte.

Ich war weit weg von den anderen und hatte nun sehr viel Ruhe und Zeit für mich allein. Honey war wie immer bei mir und beobachtete genau was ich tat. Irgendwann viel mir auf, dass ich schon wieder meine Wasserflasche vergessen hatte und stiefelte den Weg zum Camper zurück. Als ich wieder bei den Tippistangen an kam und gerade den Schäler aufheben wollte, sprang plötzlich direkt rechts neben mir ein Reh zwischen den Bäumen auf. Es war vielleicht 2 Meter entfernt und wir hatten uns beide sehr erschreckt, denn ich habe genauso einen Satz zur Seite gemacht. Ich musste laut lachen als ich dem Reh nach schaute und das weiße Hinterteil durch die Bäume hüpfen sah.

Dann passierte etwas Seltsames. Während ich die Tippistangen weiter schälte, fühlte ich mich plötzlich beobachtet. Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl wenn man einfach spürt, dass man angestarrt wird. Natürlich war niemand zu sehen, aber Honey hatte es wohl auch bemerkt, denn sie wurde auf einmal ganz unruhig und nahm eine Witterung auf. Ich blieb ganz still stehen, lauschte und dann sagte mir eine innere Stimme "geh zum Fluss". Ich war total perplex über diese "Eingebung", die eine klare Aufforderung war, ich hatte keine Ahnung, was ich jetzt am Fluss sollte, aber ich lies sofort alles stehen und liegen und ging los. Ich schlich vorsichtig durch den Wald und sah zwischen den Bäumen eine Weide die zum Nachbargrundstück gehörte. Plötzlich rasten dort, wie von einer Tarantel gestochen, eine Kuh und ihr Kalb an mir vorbei. Ich bekam eine Gänsehaut und ging weiter bis zum Fluss. Dort blieb ich stehen und lauschte wieder. Nichts zu hören und nichts zu sehen. Honey war inzwischen total aufgeregt. Sie schnüffelte am Boden, in der Luft und rannte nervös hin und her. Immer wieder sah sie mich an, ging ein paar Meter und sah mich wieder an. Sie wollte, dass ich ihr folge. Ich lief ihr nach in den Wald hinein und einige Meter weiter sahen wir wieder das Reh. Es stand ebenfalls da und lauschte. Seine Ohren gingen aber nicht in unsere Richtung als es hektisch davon sprang... Honey lief dann ständig im Kreis und es sah so aus, als ob sie die Spur verloren hatte. Mir gefiel das alles gar nicht, denn ich hatte plötzlich das Gefühl, ein Bär war in der Nähe. Sicherheitshalber machte ich etwas Lärm und Klatschte in die Hände während ich zu den Tippistangen zurückging. Wieder dort angekommen war dann alles entspannt. Honey legte sich hin und ich fühlte mich nicht mehr beobachtet. Puh…das war schon irgendwie aufregend.

 

 

 

14. Speedy kommt!

Alois hatte beim Glaser ein Fenster für die kleine Cabin bestellt. Brigitte und ich wollten es abholen und noch etwas einkaufen, aber als wir ankamen, hatte man die Bestellung wohl irgendwie vergessen. Tja die Arbeitsmoral ist dort etwas anders als wir es hier in Deutschland gewohnt sind. Aber das war alles halb so schlimm, denn er sagte, wir könnten es in einer Stunde abholen. Brigitte grinste mich an und sagte nur, "Okay, dann fahren wir eben noch kurz woanders hin". Ich hatte keine Ahnung wo sie hin wollte, aber ich wusste, jetzt kommt was Gutes…

Wir hielten an einem Tierheim und schauten uns Hunde und Katzen an. Bei den Katzen gab es einen Wurf Babys und eines von ihnen viel uns sofort auf. Es war eine ganz dürre schwarze Katze, aber sie sauste durch den ganzen Raum und nahm unterwegs jedes Spielzeug mit und ärgerte alle Anderen im Vorbei düsen. Was für ein unerschrockener Wirbelwind. Ja, die würde wirklich gut auf Heaven´s Gate passen, denn sie muss sich bei den Hunden Honey und Lissy durchsetzen und natürlich darf sie sich nicht von Margarita einschüchtern lassen. Wir waren begeistert und vereinbarten, dass wir die schwarze Rakete auf dem Rückweg mitnehmen würden.

Ruck zuck holten wir dann das Fenster ab, fuhren zum Baumarkt neues Werkzeug und Material kaufen und holten unser neues Kätzchen! Während der Fahrt hatte ich sie auf dem Schoß und wie soll ich sagen, sie war einfach nur süß! Sie fing sofort an zu schnurren, war total brav, kuschelte sich in meinen Pulli, rollte sich zusammen und schlief kurzeitig ein. Völlig selbstverständlich - keine Angst, keine Maunzen, kein Rumgezappel – unglaublich. Kaum waren wir auf Heaven´s Gate, brachten wir den kleinen Spargel in den Camper zu Margarita. Es war der Hammer, die Kleine hatte absolut keine Angst und die beiden verstanden sich auf Anhieb. Wir tauften die Katze "Speedy" denn das passte wirklich wie die Faust auf´s Auge. Schon am nächsten Tag konnten wir sie aus dem Camper lassen und sie erkundete selbständig mit "Vollgas" die Gegend. Von Margaritas Spielattacken und Scheinangriffen lies sie sich überhaupt nicht beeindrucken. Lissy fühlte sich sofort für die Kurze verantwortlich und lies Speedy nicht mehr aus den Augen. Ein Bild für die Götter, wir haben Tränen gelacht!

 

 

 

 

 

 

15. Zeitvertreib

Dann gab es einen Tag, an dem wir alle beschlossen mal nicht zu arbeiten. Herrlich, - ein Urlaubstag!

Zu erst machten wir wieder einen schönen Ausritt durch die Umgebung und diesmal kamen auch Chris und Andi mit. Bei unserem Ausritt war es etwas bewölkt, ein Gewitter zog auf, aber direkt vor uns öffnete sich plötzlich der Himmel und die Sonnenstrahlen vielen direkt auf Heaven´s Gate! Ein toller Anblick, wir waren total gerührt!

Die Jungs saßen beide noch nie auf dem Pferd und machten es wirklich großartig. Ich musste so lachen, denn Andi saß da drauf wie John Wayne und galoppierte erstmal ganz lässig einfach so los! WOW, der ist noch nicht mal runter gefallen! Das war echt ne coole Nummer! Wir tauschten die Pferde untereinander und diesmal ritt ich auch mit Westernsattel. Ungewohnt, aber fest stand, wenn ich wieder nach Hause komme, nehme ich Westernreitunterricht!

Dann holte Al Pfeil und Bogen raus und wir bauten Zielscheiben auf. Bei den Jungs sah das alles schon ganz gut aus, sie trafen jedenfalls hin und wieder die Scheibe, aber Brigitte und ich bekamen den Bogen leider nicht gespannt. Wenn man erstmal den Drehpunkt erreicht hat, geht es eigentlich ganz leicht, aber da kamen wir Mädels erst gar nicht hin. Dafür konnten wir dann in der Wiese nach den Pfeilen suchen, die die Jungs daneben geschossen hatten...

Zeitgleich wurde der Himmel plötzlich pechschwarz und die Sonne strahlte die Camper an. Ein riesiger Regenbogen tauchte direkt über Heaven´s Gate auf und es sah tatsächlich so aus, als wäre sein Ursprung direkt auf unserem Land! Ein phantastisches, farbenprächtiges Bild, ich hatte noch nie einen so extrem leuchtenden Regenbogen gesehen und das ganz ohne Regen! Heaven´s Gate ist wirklich ein ganz besonderer Ort und glaubt mir, wenn Ihr erst mal hier seid, Ihr werdet es auch spüren!

Am Abend wollten wir dann einen Ausflug mit dem Pick up machen um die Tiere in der Dämmerung zu beobachten. Eigentlich sollten wir hinten in den Wagen, aber ich wollte lieber nach draußen auf die Ladefläche. Andi hat mich glaube ich zum 100mal für verrückt erklärt, weil es ja abends sehr kalt ist, aber als ich dann Decken und Felle anschleppte um die Ladefläche für uns alle zu polstern, zogen die Jungs mit und wir saßen alle drei hinten. Bewaffnet mit Ferngläsern, Fotoapparat und ein paar Dosen Bier fuhren wir los und es war wirklich wunderschön. Wir haben Rehe, Elkbullen, Gulfer und ein Stinktier gesehen und ein Coyote flitze wohl auch an uns vorbei aber den habe ich leider verpasst.

Wieder zurück am Camp machten wir ein Lagerfeuer und saßen noch lange bei einer Sternenklaren Nacht draußen. Besonders freute ich mich, dass Andi und Chris beschlossen, ihren Urlaub zu verlängern, solange wie ich auch da blieb. Ich glaube ich habe noch nie so viele Sterne gesehen wie in dieser Nacht. Man konnte sogar die Milchstraße erkennen und es ist nachts richtig hell, wenn alle Sterne leuchten! Wahnsinn! Trotzdem war mir oft mulmig, wenn ich mal alleine zurück zum Camper musste, denn der stand ja direkt am Waldrand und seit meinem Erlebnis mit den Tippistangen hatte ich einfach das Gefühl, dass sich ein Bär in unserer Nähe aufhielt…

16. Die Sache mit der Campingtoilette…

Andi und ich teilten uns ja den Camper und ich muss sagen, dass hat auch wirklich super gut funktioniert. Andi hat sich nur immer über mein Chaos auf meinem Bett gewundert, denn ich hatte während der ganzen Zeit nie meinen Koffer ausgeräumt. Ich hab den immer morgens auf´s Bett geworfen und rumgekramt und mich abends drauf geschmissen um ihn wieder zu zubekommen und runter zustellen. Wenn man im Sternzeichen Jungfrau geboren ist, versteht man das nicht unbedingt, - da müssen die Sachen oft ordentlich gefaltet und sortiert werden. Andi ist eine Jungfrau und ich ein Zwilling, - wer sich mit Astrologie auskennt weiß, dass es da grundlegende Unterschiede gibt, hihi…

Außerdem war er manchmal etwas eifersüchtig, weil Lissy so gerne bei mir im Bett geschlafen hat. Manchmal lag sie schon fett in meinem Bett, bevor ich überhaupt einsteigen konnte. Dann musste ich sie immer mit aller Kraft zur Seite schieben, damit ich auch noch rein passte. Nachts ist sie aber oft zurück zu Andi gekrabbelt, dann hat er sich wieder gefreut und ich auch, weil sie nämlich ganz schön aus dem Mund gestunken und immer ins Bett gepupt hat…Honey hat übrigens mit Chris, Margarita und Speedy in einem Camper geschlafen, meistens schlief sie oben auf dem Tisch, da hatte sie ihre Ruhe.

Im Bad gab es auch nie Probleme, zumal Andi immer fleißig frisches Wasser und Klopapier bereitgestellt hat. Ja, eine Jungfrau ist da sehr sorgfältig und er hat es mir nie übel genommen, dass ich solche grundlegenden Dinge schon mal vergessen habe.

Naja, wie soll ich sagen, natürlich teilten wir uns auch das Klo und so passierte es eines Morgens dann, dass das Wasser nicht mehr abfließen wollte. Oh oh…Klo war voll…Was nun?

Ich kannte mich damit überhaupt nicht aus, also hatten wir sozusagen eine "Großlage".

Wir fragten Alois was zu tun sei und der drückte Andi einen langen Schlauch in die Hand und mir einen Spaten. Ich sollte ein tiefes Loch ein paar Meter vom Camper entfernt schaufeln und Andi sollte den Schlauch an den Abfluss schrauben und anschließend in die Grube hängen. Chris kam mir zur Hilfe und hob für mich die Grube aus. Al und Andi sagten mir dann, ich müsste den Schlauch gut festhalten, wenn er in der Grube ist, weil da so viel Druck drauf kommt und ich müsste aufpassen, dass ich nicht vollgespritzt werde… BAAAAHHHH!!!! Also war erstmal Panik angesagt...

Ich suchte mir eine Holzplatte, die ich als Schutzschild nehmen konnte und stellte sie auf den Schlauch. Mit zwei Fingern hielt ich die Platte fest und duckte mich ganz klein dahinter. Sicherheitshalber hatte ich mir ein Halstuch als Atemschutz um Nase und Mund gebunden. Auf Kommando löste Andi dann die Sperre vom Wasserablauf. Ich wartete angespannt auf die große Druckwelle, aber der Inhalt unserer Toilette plätscherte nur kurz und ganz langsam in die Grube. Andi fluchte, denn das bedeutete wohl, dass irgendetwas verstopft war. Ich blieb also hinter meinem Schutzschild in Deckung und Andi flitzte in den Camper und stocherte mit einem Stock in der Toilette rum. Leute ganz ehrlich – DAS WAR ALLES SO EKELHAFT!!!! Dieser Gestank!!!! Ich stand da und musste echt würgen! Alois hat sich das Spektakel mit Chris von weitem angeschaut und hat sich scheckig gelacht. Eigentlich hätte es mich skeptisch machen müssen, dass sie mich immer wieder warnten, dass jeden Moment der ganze Strahl aus dem Schlauch geschossen kommen müsste…

Als Andi aus dem Camper zurückkam, lief es dann sozusagen etwas flüssiger, aber immer noch ohne den angedrohten Druck. Er stellte sich rüber zu Al und Chris und alle lachten, weil ich da immer noch hinter meiner Platte stand und kurz davor war mich zu übergeben. Dann hörte es endlich auf zu plätschern und Andi nahm mir die Platte ab. Ich sprang sofort zur Seite um erstmal richtig Luft holen zu holen. Alle lachten sich immer noch schief und dann sagte Andi mir brühwarm, dass ich die Platte gar nicht gebraucht hätte, weil man den Schlauch nämlich eigentlich gar nicht festhalten muss… WAAAASSS???? Ich hätte sie alle umbringen können!!!

Ehrlich, Ihr solltet Euch das mit Eurem Urlaub auf Heaven´s Gate noch mal gut überlegen, Ihr müsst das Sachen machen, da wollt ihr nicht mal im Traum dran denken, hahaha!!!!!

17. Abschiedsparty

An den letzten Tagen nagelte ich mit Brigitte die Zaunbretter weiter an und mähte die Trailwege. Langsam machte sich etwas Traurigkeit in mir breit, denn ich wusste, dass jetzt alles sehr schnell vorbei sein wird. Andi, Chris und ich machten noch einen letzten gemeinsamen Ausflug mit dem Auto. Wir brachten ihre Wäsche in den Waschsalon und fuhren ein bisschen Shoppen. Jeder kaufte sich ein paar schöne Erinnerungen an diese tolle gemeinsame Zeit. Wir fuhren an einen wunderschönen See, bewunderten einen Wasserfall und gingen in einem Western-Saloon Essen. Ich saugte die Landschaftsbilder förmlich in mir auf und versuchte alles in meinem Herzen zu speichern was ich sah.

Brigitte hatte als Dankeschön für unsere geleistete Arbeit eine Abschiedsparty für uns organisiert. Das war unheimlich süß von Ihr, denn sie lud alle Freunde und Nachbarn ein und jeder erklärte sich bereit, etwas zu Essen mitzubringen. Da das Haus inzwischen schon ein Dach hatte und es zum ersten Mal seit Wochen richtig regnete, beschlossen wir die Party in dem neuen Haus zu feiern. Den ganzen Tag wirbelten wir alle herum um alles für den Abend schön her zurichten.

Die Party war wirklich großartig! Niemanden störte es, dass es draußen regnete und hier und da auch ganz schön durch das Dach tropfte. (Es waren ja noch keine Schindeln drauf). Sogar eine Indianerfamilie kam vorbei um uns zu verabschieden, indem die Großmutter ihre Heilgebete für uns sang! Okay, im Gegenzug tranken die Indianermänner eine Menge von unserem Bier weg und fuhren dann angetrunken wieder nach Hause – auwaia…hihihi…

Irgendwann stand leider ein Teil von dem Essen unter Wasser und wir waren alle pitsch nass, aber egal! Wir tranken, feierten und tanzten die ganze Nacht durch und mit jedem Drink wurde auch mein Englisch immer besser…haha... Jürgen war auch extra zur Party mit seiner Tochter zurückgekommen um uns zu verabschieden und wir hatten einen Riesenspaß. Andi und ich fanden kein Ende und selbst als alle schon schlafen gingen, tanzten und lachten wir noch bis in die frühen Morgenstunden.

18. Abschied

Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, wie es uns am nächsten Morgen ging…Wir schliefen lange und frühstückten in Ruhe, - es gab Aspirin mit Wasser - naja gut und natürlich auch Brote und viiiiel Kaffee. Wir ließen den Tag ruhig angehen und packten schon mal so langsam unsere Sachen zusammen. Keiner sprach es an, aber alle wussten, dass dies unser letzter gemeinsamer Tag sein würde. Die Stimmung wollte einfach nicht so recht aufkommen, denn alle waren traurig und bedrückt. Ich glaube keiner von uns wollte jetzt schon wieder nach Hause. Es gab noch so viel zu tun, so viel Arbeit und jeder von uns hätte gerne noch alles gegeben und weiter gearbeitet. Abends luden Brigitte und Alois uns alle zum Essen ein und anschließend saßen wir wie so oft gemeinsam am Lagerfeuer und genossen es ein letztes Mal, dass wir alle zusammen dort saßen. Leider mussten wir früh ins Bett, denn der nächste Morgen war unser Abreisetag…

Nach dem Frühstück packten wir unsere Koffer und ich bekam meinen natürlich nicht mehr zu, weil ich mir noch ein paar Anziehsachen gekauft hatte. Brigitte fand zum Glück noch eine kleine Reisetasche, die ich mitnehmen durfte. Da der Reißverschluss kaputt war, verpackte ich die Tasche in einem Müllsack, band sie zu und wickelte das Kofferband darum. Wir packten alle gemeinsam das Auto und dann kam der gefürchtete Moment des Verabschiedens.

Es war wirklich schlimm, wir alle hatten Tränen in den Augen und Brigitte und ich mussten so weinen, weil wir nicht wussten, wann wir uns wieder sehen werden. Es war klar, dass es nicht einfach für mich werden würde Geld für den nächsten Flug zu sparen und das es mir dieses Mal meine Eltern geschenkt hatten, war eine Ausnahme. Ich verabschiedete mich von allen Tieren und sogar Margarita setzte sich ganz traurig vor den Camper, gab mir ihre kleine Hand und leckte meinen Finger. Oh das war so schlimm… Honey sprang dann auch noch in den Wagen und versperrte uns die Rückbank. Sie wollte nicht dass wir einsteigen und Al musste sie richtig aus dem Auto ziehen, denn sie war einfach nicht von der Stelle zu bewegen und sah uns ganz panisch mit großen Augen an. Es half alles nichts, wir mussten los… Brigitte uns ich drückten uns ganz fest, wir konnten beide nicht sprechen und als Al mit uns losfuhr, hatte sie Margarita auf dem Arm und die Hunde saßen neben ihr als sie uns nach winkte.

Unterwegs machten wir eine kleine Kaffeepause und Al zeigte uns noch eine kleine Stadt die aussah wie aus einem Westernfilm. Am Flughafen trennten sich dann auch unsere Wege, denn Andis Flugzeug kam etwas später und so fuhr er dann noch mit Al in die Stadt. Eine letzte Umarmung und dann blieben Chris und ich am Flughafen zurück, denn unsere Flugzeuge starteten fast zeitgleich.

Jetzt wurde es wieder stressig für mich, denn natürlich hatte ich schon wieder keine Ahnung, wo ich hin muss. Chris blieb zum Glück bis zur letzten Minute bei mir und half dabei, meinen Check-In zu finden. Blöderweise gab es dafür so komische Computer, wo man seinen Reisepass einschieben musste, aber Chris war so lieb und erledigte das für mich, weil die Anleitung auch komplett auf Englisch war. Dann mussten auch wir uns trennen, aber feststand für uns alle, wir sehen uns bald wieder auf Heaven´s Gate!

19. Ausklang

Der Rückflug war dann glücklicherweise nicht mehr so Anstrengend wie der Hinflug, denn ich musste mein Gepäck nicht mehr ein- und auschecken. Trotzdem hatte ich ein ungutes Gefühl, als ich meinen schwarzen Sack, indem ja die Reisetasche verpackt war, am Schalter aufgab, denn wenn das Kofferband abgehen sollte, sah es wirklich nur noch aus wie ein ganz normaler Müllsack. Während des gesamten Fluges nahm ich meinen Cowboyhut nicht ab. Ich hatte ihn Wochenlang getragen und ich wusste, ich würde mich richtig unvollständig fühlen ohne ihn. Beim Zwischenstopp in Minneapolis freute ich mich über alle Menschen, die auch Cowboyhüte trugen und noch dazu die dicken Gürtelschnallen umhatten, aber am Flughafen in Amsterdam sahen mich die Leute dann ganz skeptisch an und belächelten mich. Mir war das völlig egal, ich lächelte einfach nur freundlich zurück, denn ich hatte Heaven´s Gate im Herzen und fühlte mich wie ein echtes Cowgirl – ich kann hart arbeiten, ich brauche keinen Luxus, ich fang nicht an zu weinen wenn ich mich dreckig mache oder ein Fingernagel abbricht, ich liebe die Natur und ihre Tiere, ich kann Reiten, ich finde Pick Up´s cool und ich kann manchen Mann mit Whisky locker unter den Tisch trinken – besonders gerne am Lagerfeuer, hahahaha!

Als ich in Düsseldorf ankam passierte es dann - Schluss mit Lustig - mein Koffer war recht früh auf dem Band, aber auf meine Reisetasche wartete ich vergebens. Oh nein, das konnte doch nicht wahr sein! In der Tasche war mein Tagebuch, ich hatte jeden einzelnen Tag auf Heaven´s Gate für mich dokumentiert, außerdem waren darin meine neuen Anziehsachen! SHIT!!!!!! Ich musste eine Anzeige aufgeben, mein einziger Trost, - ich konnte wieder Deutsch sprechen…

Meine Freundin holte mich vom Flughafen ab und wartete schon ungeduldig. Müde und etwas niedergeschlagen lud ich sie zum Essen ein. Natürlich in einem Lokal im Westernstyle und natürlich nahm ich auch hier meinen Hut nicht ab und bestellte mir zum Essen ein Bier. Die Leute sahen mich an als ob ich gleich eine Promotion-Tour mache und Marlboros verteile.

Tja und dann war ich auch schon wieder zu Hause und musste schweren Herzens meinen Cowboyhut auf der Armatur von meinem Auto platzieren wo er auch heute noch liegt. Jeden Tag wenn ich Auto fahre sehe ich ihn an und denke zurück an die wundervolle Zeit auf Heaven´s Gate und inzwischen habe ich auch eine CD im Wagen mit all den Country-Songs, die ich immer in Kanada im Radio gehört habe.

20. Stand heute (Januar2009)

Ich möchte Euch noch kurz erzählen, dass meine Reisetasche nicht wieder gefunden wurde. Die Suchaktion zog sich über Monate, aber wisst Ihr was, ich habe dann von der Fluggesellschaft eine schöne Abfindung gezahlt bekommen und somit habe ich jetzt schon fast das Geld für meinen nächsten Flug nach Kanada zusammen! So ein "Zufall", hihihi…

Aktuell laufen die Planungen, dass wir uns alle (Andi, Chris, Blincky und ich) im August 2009 auf Heaven´s Gate Wiedersehen und ich freue mich schon so wahnsinnig darauf!

Brigitte und Alois haben inzwischen so viele Tiere gerettet und so viel neu geschaffen, aber es gibt noch viel, viel mehr zu tun und wir alle wollen Cabins für Euch bauen, damit Ihr uns dort auch besuchen kommen könnt!

Ich wünsche Euch, dass Ihr genauso wie wir, ein paar unvergessliche Tage auf Heaven´s Gate verbringen werdet und vielleicht sitzen wir ja mal gemeinsam am Lagerfeuer oder reiten durch die traumhafte Landschaft und teilen diese Freude im Herzen!

Ich danke Gott und meinen Engeln, dass sie mich zu Heaven´s Gate und diesen lieben Menschen geführt haben und mich auf meinem Weg dort hin immer begleitet und beschützt haben.

Brigitte und Alois,

von Herzen DANKE FÜR ALLES!

 

Es umarmt Euch,

Nadine


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